Diversity macht Unternehmen besser

August 2020 – Ein gutes Diversity Management steigert nachweislich den Unternehmenserfolg und kann auch in Krisenzeiten ein starkes Pfund sein. Die Hamburg Commercial Bank hat jüngst die „Charta der Vielfalt“ unterzeichnet.

Charta der Vielfalt

Im 21. Jahrhundert sollte die Chancengleichheit eine Selbstverständlichkeit sein. Doch der berechtigte Aufschrei der schwarzen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten gegen Diskriminierung und tödliche Polizeigewalt zeigt, dass Gleichberechtigung auf dem Papier längst noch nicht gleiche Rechte und gleiche Behandlung aller Menschen in der Praxis bedeuten. Auch in Deutschland bewegt die Initiative „Black lives matter“ die Öffentlichkeit. Diskriminierung zeigt sich jedoch nicht nur in solch erschreckender Weise wie bei rassistisch motivierten Polizeieinsätzen in den USA. Diskriminierung dokumentiert sich tagtäglich in viel kleineren Dingen – auch in der Wirklichkeit von Wirtschaftsunternehmen.

Menschen nicht-weißer Hautfarbe, Frauen, Behinderte, Ältere, Alleinerziehende oder in Teilzeit Arbeitende werden nach vielen Untersuchungen, etwa von McKinsey oder des Berliner Recruiting-Start-ups Truffls, gegenüber dem mittelalten weißen Single oder Familienvater immer noch benachteiligt, was die Berufs- und Aufstiegschancen oder die Bezahlung angeht. Doch zugleich gibt es eine gute Nachricht: Die Zahl der Unternehmen, die auf Diversität setzen, steigt seit Jahren rapide.

Menschen aller Kulturen und Hautfarben bilden sich in den Arm nehmend eine Kette.

Vielfältig besetzte Firmen sind erfolgreicher

Diversity Management gehört mittlerweile bei internationalen Großkonzernen zur Firmenphilosophie. Besonders Konzerne verfügen längst über eigenes Diversity Management und werben damit, besonders vielfältig zu sein. Sie haben erkannt, dass Vielfalt keine Belastung, sondern ein Mehrwert ist. Studien belegen das, unter anderem eine McKinsey-Untersuchung aus dem Mai 2020. Sie belegt, dass Unternehmen mit einem hohen Anteil von Frauen in der Geschäftsführung oder im Vorstand um ein Viertel Prozent profitabler als andere sind. Eine Untersuchung von PricewaterhouseCoopers von 2019 hat herausgefunden, dass es 13,8-mal wahrscheinlicher ist, dass Unternehmen mit maximaler Verankerung von Diversität und Inklusion innovativer sind als der Wettbewerb. Und die US-Investmentbank Goldman Sachs gab auf dem jüngsten World Economic Forum in Davos bekannt, dass sie seit Juli 2020 in den USA und Europa nur noch Börsengänge mit mindestens einem diversen Board-Mitglied begleiten wird. Hintergrund der Entscheidung ist auch, dass Börsengänge von Unternehmen mit vielfältig aufgestellten Vorständen in der Vergangenheit wirtschaftlich deutlich erfolgreicher waren.

Doch die Praxis spricht häufig noch immer eine andere Sprache: Nur 28 der insgesamt 193 Dax-Vorstände sind Frauen, das sind gerade einmal 15 Prozent. In den Führungsetagen der größten deutschen Familienunternehmen sieht die Lage ähnlich aus. Nach einer jüngst veröffentlichten Studie der Allbright-Stiftung arbeiten in den Geschäftsführungen der 100 umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen nur 6,9 Prozent Frauen.

Beim Thema Diversität geht es nicht allein um Chancengerechtigkeit. Sondern auch um ökonomische Cleverness: Wer sich divers aufstellt, ist erfolgreicher. Wer Randgruppen ausgrenzt, beraubt sich selbst wirtschaftlicher Chancen. „Die Vorteile von Vielfältigkeit, wie die Erhöhung der Profitabilitäts- und Umsatzkennzahlen, die Steigerung der Innovationskraft und Kreativität, liegen klar auf der Hand“, sagt Victoria Wagner. Die Topwerberin und Strategieberaterin für Unternehmen hat die Initiative „BeyondGenderAgenda“ ins Leben gerufen, die Unternehmen für das Thema Chancengleichheit von Führungskräften anderen Geschlechts, kultureller Herkunft, Alters, sexueller Orientierung und Geschlechteridentität sensibilisieren sowie ein Umdenken in Politik und Wirtschaft erreichen will. Prominente Fürsprecher gibt es zuhauf, etwa den selbst offen homosexuell lebenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: „Nur wenn wir unser volles Potenzial ausschöpfen, bleibt Deutschland in den 2020iger-Jahren ökonomisch stark. Wer mit anpacken will, darf keinen Nachteil aufgrund von Geschlecht, Alter, Herkunft oder sexueller Orientierung haben.“

Diversity Flagge

Hamburg Commercial Bank in guter Gesellschaft

Auch die Hamburg Commercial Bank hat sich des Themas Diversity verschrieben. Jüngst unterzeichnete die Bank die „Charta der Vielfalt“: Mit der Selbstverpflichtung bekennt sich die HCOB zu einem vorurteilsfreien Arbeitsumfeld und zu Chancengleichheit. Und befindet sich in großer und bester Gesellschaft: Mehr als 3.000 Unternehmen, Institutionen, akademische und soziale Einrichtungen mit zusammen mehr als 13,5 Millionen Mitarbeiter*innen haben die „Charta der Vielfalt“ inzwischen unterzeichnet, darunter viele deutsche Großkonzerne wie die Allianz, BASF und die Telekom. „Die HCOB möchte möglichst qualifizierte Kolleginnen und Kollegen an Bord haben, deshalb ist es wichtig, eine offene Kultur zu leben“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Bank, Sabine Kittner-Schürmann.

„Diversity ist für uns als Bank in all ihren Dimensionen ein wichtiges Thema“, sagt der Vorstandsvorsitzende Stefan Ermisch. „Vielfalt und Chancengleichheit für alle sollten selbstverständlich sein – das gilt für Unternehmen genau wie für die ganze Gesellschaft.“ Mit der Unterzeichnung der „Charta der Vielfalt“ verpflichten sich Unternehmen, eine geeignete Organisationskultur zu schaffen, die Arbeit im Personalbereich im Sinne der Charta der Vielfalt zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Menschen verschiedener Hautfarbe und Kulturen halten ihre Hände übereinander.

Das Ziel der „Charta der Vielfalt“, deren Schirmherrin Bundeskanzlerin Angela Merkel ist, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem alle Beschäftigten die gleiche Wertschätzung und Förderung erfahren und zwar unabhängig von Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter sowie sexueller Orientierung und Identität – es geht um den Respekt vor der Einzigartigkeit des anderen. Die „Charta der Vielfalt“ ist damit ein Bekenntnis zu einem Zusammenleben ohne Vorurteile, für Gleichberechtigung und stellt ein Bekenntnis zu einer offenen Gesellschaft dar. Gleichzeitig bietet erfolgreiches Diversity Management etliche Vorteile und Chancen: Ein vielfältiges Umfeld fördert die Anpassungsfähigkeit von Organisationen an äußere Umstände und erhöht so die Chancen auf den wirtschaftlichen Erfolg.

Die „Charta der Vielfalt“ soll auch dazu beitragen, das eigene Denken und Handeln zu hinterfragen. „Eine Vielfalt der Ressourcen bietet eine Vielzahl von Potenzialen“, sagt Christiane Gathmann, nebenamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Bank. „Diese Potenziale sollten wir in einer immer komplexeren Welt nutzen.“ Dabei stünden uns allen jedoch teilweise „unbewusste Denkschubladen“ im Weg. Die beiden Gleichstellungsbeauftragten wollen nun in der Hamburg Commercial Bank dazu beitragen, diese letzten Denkschubladen auszuräumen und mit diverserem Inhalt zu füllen.

Grafik: Wie divers ist Deutschlands Wirtschaft? (Quelle: Handelsblatt Media Group, Stepstone; Onlineumfrage unter 11.000 Fach- und Führungskräften im Mai 2020)

Wie divers ist Deutschlands Wirtschaft? (Quelle: Handelsblatt Media Group, Stepstone; Onlineumfrage unter 11.000 Fach- und Führungskräften im Mai 2020)

Auch die Corona-Pandemie und ihre Folgen ändern nichts an der Dringlichkeit des Themas Diversity. Das bestätigt eine aktuelle Umfrage von Handelsblatt Media Group und StepStone. Im Mai 2020 wurden dafür in einer Onlinebefragung rund 11.000 Fach- und Führungskräfte befragt, 5.100 davon haben den umfangreichen Fragebogen vollständig beantwortet. Für 56,7 Prozent der Befragten bleibt die Chancengerechtigkeit im Unternehmen auch unter Corona ein unverändert wichtiges Thema; für 20,7 Prozent der Studienteilnehmer*innen ist deren Bedeutung während der Pandemie sogar noch gestiegen. Das verwundert nicht, wenn man sich die wachsende Zahl von Beiträgen vor Augen führt, die zur These haben, dass Frauen die größten Verliererinnen der Corona-Krise seien.

Hamburg Commercial Bank, eine der Unterzeichnerinnen der Charta der Vielfalt