Hamburg Commercial Bank verfestigt ESG-Kriterien bei der Kreditvergabe

Oktober 2020 – Nicht nur handelnde Unternehmen, auch die Banken als deren Geldgeber müssen sich verstärkt dem Thema Nachhaltigkeit widmen. Seit 1. Oktober 2020 hat die Hamburg Commercial Bank sämtliche Aspekte nachhaltigen Wirtschaftens in ihren Kreditrichtlinien festgeschrieben. Und auch die Hürde an das eigene Tun liegt hoch.

Haus mit Balkonen und Pflanzen

„Heal the world, make it a better place. For you and for me, and the entire human race”, sang Michael Jackson 1991 und beklagte im Song „Heal the World“ den Zustand des Planeten. Drei Dekaden später hat sich an der Bestandsaufnahme wenig verändert. Eher im Gegenteil, wenn man der jungen Umweltaktivistin Greta Thurnberg folgt, die eindringlich mahnt: „We have to act like our house is on fire, because it is.“

Doch die aus Schweden stammende Gründerin der mittlerweile weltweiten Umweltbewegung „Fridays for Future“ hat trotz weltweit steigender Durchschnittstemperaturen und jährlich neuer Rekordwerte bei der Emission des klimaschädlichen Kohlendioxids weiter Hoffnung: „But the opportunity to do so will not last for long. We must start today. We have no more excuses.“

Bei der Suche nach ökologisch sinnvollen, ökonomisch stemmbaren und technologisch machbaren Antworten auf die wohl größte Herausforderung in der bisherigen Menschheitsgeschichte – der Klimafrage – sind Staaten, Investoren und Unternehmen gleichermaßen gefordert und in der Pflicht. Und nicht zuletzt Banken haben ihren Teil zum guten Ende beizutragen.

Nähmaschine

Klares ESG-Bekenntnis bei der Kreditvergabe

Es besteht in Fachkreisen, aber auch der breiteren Öffentlichkeit heute weitgehend Konsens darin, dass Kreditgeber nicht allein auf die Konditionen der Geldvergabe und die Solvenz ihres Gegenübers zu achten haben. Vielmehr sollten sie sich mit Blick auf das Gemeinwohl auch mit der Frage beschäftigen, wem sie da eigentlich ihr Kapital anvertrauen und was jenes Unternehmen genau damit vor hat. In einer globalisierten Welt gilt eben nicht mehr, dass bei der Geldanlage oder Geldvergabe jedes Mittel Recht ist. Satte Renditen, die auf dem Rücken von Kindern oder unterdrückten Minderheiten verdient werden oder zum Leidwesen von Tier- oder Pflanzenwelt die Kassen füllen, will niemand mehr akzeptieren.

Auch die Hamburg Commercial Bank achtet seit geraumer Zeit bei der Finanzierung von Projekten sehr genau auf die Details, hinterfragt vieles – und lehnt Kreditanträge auch ab, wenn diese den eigenen hohen Maßstäben an das Einhalten der ESG-Standards nicht entsprechen. „E“ steht dabei für Environment, „S“ für die „soziale“ Facette von Nachhaltigkeit, „G“ für Governance – also die gute und transparente Unternehmensführung, die die Rechte der Mitarbeitenden schützt und fair mit ihnen umgeht.

Seit 1. Oktober 2020 sind die Nachhaltigkeitsaspekte fest in die Kreditstandards der Bank integriert und ganz klare „Guiding Principles“ für das eigene Handeln des Geldhauses vereinbart. „Die gesamten Kreditstandards der Bank werden seit Anfang Oktober um die ESG-Dimensionen erweitert. Diese werden bei jedem einzelnen Geschäft anhand klarer – jeweils auf den Geschäftsbereich abgestimmter – Aspekte analysiert und bewertet“, sagt Martin Jonas, der das Sustainability-Projekt bei der Hamburg Commercial Bank zusammen mit Anna-Maria Saake und Oliver Scholz leitet. Das Besondere: Nicht nur künftige Kredite müssen ESG-Standards unterliegen – auch das Bestandsportfolio wird in puncto Nachhaltigkeit unter die Lupe genommen und gegebenenfalls neu bewertet.

Konkret könnte die Bewertung von ESG-Kriterien bei einer Immobilienfinanzierung künftig beispielsweise folgendermaßen aussehen: Die Bank prüft im Rahmen der Umweltaspekte den Energieverbrauch des Projekts, bewertet die Baumaterialen sowie die Emissionen während der Bauphase und des Betriebs. Bei der sozialen Dimension achten die Fachleute der HCOB verstärkt darauf, dass die Rechte der Arbeitnehmer beachtet werden. Bei der Unternehmensführung geht es schließlich darum, dass alle gesetzlichen Regeln eingehalten werden und der Geschäftspartner idealerweise einen eigenen „Code of Conduct“ hat.

S-Bahn steht im Bahnhof

Black List und eigene Guiding Principles

„Das ESG-Engagement der Hamburg Commercial Bank bezieht sich damit nicht nur auf das eigene Handeln, sondern auch auf das der Geschäftspartner“, erklärt Experte Jonas. Dazu gehört, dass in einer „Black List“ definiert ist, welche Länder und Geschäftsbereiche von vornherein für Finanzierungen ausscheiden: Dazu zählen Länder mit hoher Korruption sowie Geschäftsfelder wie die Waffenproduktion oder die Atomindustrie. Auch Unternehmen, die soziale Mindeststandards nicht einhalten, kommen für die Bank als Geschäftspartner grundsätzlich nicht infrage.

Gleichzeitig hat die Bank zum Herbst 2020 eigene „Guiding Principles“ etabliert und sich auf die internationalen Rahmenwerke verständigt, denen sie beitreten wird. Das sind allen voran die von der UNEP – das ist das Umweltprogramm der Vereinten Nationen – verabschiedeten 17 Nachhaltigkeitsziele sowie Standards für das verantwortungsvolle Recycling von Schiffen. Zudem verringert die HCOB weiter ihren eigenen Kohlendioxid-Fußabdruck: Dienstreisen per Flugzeug sollen minimiert werden oder, sofern sie notwendig sind, mit Blick auf die Kohlendioxidemissionen wenigstens klimaneutral kompensiert werden.

„Wir haben den Anspruch, uns zu den führenden Banken im Bereich Nachhaltigkeit zu entwickeln.“

Martin Jonas, Sustainability-Projektleiter der Hamburg Commercial Bank

Mit der Umsetzung der ESG-Ziele erfüllt die Bank regulatorische Vorgaben, die sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft haben. Aber sie geht aus eigenem Antrieb noch weit darüber hinaus. „Unser Projekt richtet sich neben den regulatorischen Anforderungen ganz klar an denen der internationalen Investoren aus “, sagt Jonas. „Wir haben den Anspruch, uns zu den führenden Banken im Bereich Nachhaltigkeit zu entwickeln. Nachhaltigkeit wird für unsere Kunden immer wichtiger, das gilt für die Aktiv- wie die Passivseite.“ Das Ziel sei es, in der Refinanzierung mittels Emissionen von Green Bonds die Investorenbasis deutlich zu erweitern und die Funding-Kosten perspektivisch etwas zu verbessern. „Je grüner wir auf der Aktivseite werden, desto besser wird unser ESG-Rating. Und desto günstiger wird unser Funding mit Green Bonds. Für immer mehr Investoren ist Sustainability ein entscheidendes Kriterium bei der Anlageentscheidung.“

Die Gefahr, dass die ESG-Kriterien die Möglichkeit des Neugeschäfts substanziell einschränken, sieht Jonas eher nicht. „Wir haben eine Black List definiert, hierbei aber nur eine einzige Finanzierung identifiziert, die wir in den nächsten drei Jahren aus den Büchern rausnehmen müssen. Und beim Neugeschäft gibt es genügend Alternativen – wir müssen uns ja immer überlegen, wie erfolgversprechend Geschäfte mit Unternehmen sind, die selbst nicht nachhaltig arbeiten.“