Infrastrukturprojekte: Investoren setzen auf Digitalisierung

Oktober 2020 – Stabile Renditen bei langen Laufzeiten: Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten suchen institutionelle Investoren nach langfristig sicheren Häfen für ihr Kapital. Infrastrukturprojekte geraten da vermehrt ins Blickfeld.

Lichtpunkte

Es war eine Premiere – und was für eine: Ursprünglich für das Frühjahr 2020 als Liveveranstaltung geplant, wurde auch der „Infrastructure Investor Global Summit 2020“ in der deutschen Hauptstadt ein Opfer der Corona-Pandemie. Ein rundes halbes Jahr später fand das Gipfeltreffen der weltweit führenden Player am Markt für Infrastrukturinvestitionen nun Mitte Oktober 2020 erstmals als Online-Event statt. Dr. Nicolas Blanchard, Marktvorstand der Hamburg Commercial Bank, war gleich am ersten Veranstaltungstag Teilnehmer eines Fach-Panels. Seine Erkenntnis nach vier sehr intensiven Tagen Online-Konferenz: „Infrastrukturprojekte sind und blieben hierzulande. The next big thing‘“.

Online-Event: Gespräch zwischen zwei Personen über den Computer

Aus der Corona-Not der Anbieter der Infrastrukturmesse könnte bei näherer Betrachtung aber eine Tugend werden. Wie die gesamte Weltwirtschaft vollzieht sich gerade im Bereich der Infrastrukturprojekte derzeit ein massiver Umschwung in Richtung Digitalprojekte. Die anhaltende Corona-Krise hat auch Projektentwicklern, Investoren und Banken zwei Dinge vor Augen geführt: Erstens sind klassische Infrastrukturprojekte wie Eisenbahnstrecken oder Flughäfen keine risikolosen Investments mehr. Wenn kaum noch jemand mit dem Zug zur Arbeit pendelt, wenn Dienstreisen ausbleiben oder die Urlaube vornehmlich nur noch an heimischen Küsten oder Bergseen verbracht werden, dann haben Eisenbahnen, Flughafenbetreiber und Airlines ein massives Problem. Zweitens, und das ist die noch viel größere Lehre aus Corona, gibt es vor allem in Deutschland einen gewaltigen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung: Das Homeschooling im Frühjahr funktionierte nur leidlich, die IT-Ausstattung vieler Schulen und Behörden ist rückständig. Ein Großteil der Arbeitnehmer, gerade jene, die fernab der Ballungszentren wohnen, konnte aufgrund geringer Bandbreiten während des Lockdowns nur notdürftig von daheim aus auf die Büroserver zugreifen. Vom nach wie vor fehlenden flächendeckenden schnellen Mobilfunknetz einmal ganz zu schweigen. An dieser Situation hat sich seit dem Frühjahr 2020 nur wenig getan, der Investitionsbedarf besonders im Bereich der digitalen Bildung bleibt hoch. Das dürfte sich in den kommenden harten Wintermonaten mit drohenden neuen Lockdowns abermals zeigen.

Flugzeug

„Die Zukunft in Sachen Infrastruktur gehört ganz eindeutig den Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Investoren sollten diese Fundamentaltrends beachten und ihre künftigen Engagements entsprechend planen.“

Inka Klinger, Global Head of Infrastructure bei der Hamburg Commercial Bank

Großer Nachholbedarf bei Infrastrukturprojekten

Positiv formuliert: Für Infrastrukturprojekte im Bereich der Digitalisierung – von Glasfasernetzen, über Daten-Center, Mobilfunkmasten bis hin zu voll digitalisierten, dezentralen Energieversorgungsstationen – gibt es zwischen Nordseeküste und Alpenvorland noch eine Menge zu tun. Inka Klinger Global Head of Infrastructure, hält für Investoren einen Rat bereit: „Die Zukunft in Sachen Infrastruktur gehört ganz eindeutig den Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Investoren sollten diese Fundamentaltrends beachten und ihre künftigen Engagements entsprechend planen.“

Grüne Kabel

Stabile Cashflows bei langen Laufzeiten

Das Interesse an entsprechenden Investitionen ist bei institutionellen Investoren immens. Hauptgrund dafür sind die sehr stabilen Cashflows bei Infrastrukturprojekten – und das bei langen Laufzeiten. „Das ist das, wonach jeder Investor in turbulenten Zeiten sucht. Genau deshalb sind diese Investments etwa bei Versicherungen und Pensionsfonds so beliebt. Diese Investoren haben oft selbst sehr lange Finanzverpflichtungen, die durch entsprechend sichere Einträge abgedeckt werden müssen. Denken Sie etwa an die oft jahrzehntelangen Anspar- und später dann Auszahlphasen bei privaten Kapitallebens- oder Rentenversicherungen“, sagt Experte Kraus.

Easy-going sind Infrastrukturprojekte aber nicht. „Finanzierungsmöglichkeiten müssen identifiziert und strukturiert werden, Verträge sind oftmals komplex und bedürfen tiefer Analyse. Das erfordert Zeit, Geduld und vor allem tiefes Know-how“, sagt Kraus. Die Hamburg Commercial Bank ist auf dem Spezialgebiet der Infrastrukturprojekte seit Jahrzehnten aktiv und bestens vernetzt.

Der Lohn der Arbeit bei der Suche nach den aussichtsreichsten Infrastrukturprojekten sind höhere Renditen. Tilo Kraus. „Wir haben jüngst die Renditen von Infrastrukturprojekten mit denen gleich lang laufender klassischer Anleihen von Versorgern verglichen: Da ergab sich ein Renditeplus zwischen 125 und 175 Basispunkten.“