„Trend zur Nachhaltigkeit“

Mai 2020 – 3 Fragen an Inka Klinger, Head of Global Infrastructure bei der Hamburg Commercial Bank

3 Fragen an Inka Klinger, Head of Global Infrastructure bei der Hamburg Commercial Bank
Inka Klinger, Head of Global Infrastructure bei der Hamburg Commercial Bank

Frau Klinger, Infrastrukturprojekte sind schon seit längerer Zeit die Lieblinge institutioneller Investoren. Hat das in Zeiten von Corona weiter Bestand?

Inka Klinger: Infrastrukturprojekte bleiben nach unserer Analyse auf längere Zeit ein attraktives Investitionsfeld. Zu groß ist der offensichtliche Nachhol- oder Modernisierungsbedarf in vielen öffentlichen oder halböffentlichen Bereichen. Allerdings verschiebt sich der Markt derzeit gewaltig. Das war schon vor Corona der Fall, wird durch die Pandemie und ihre Folgen nun jedoch beflügelt. Vor allem in bis dato weniger stark beachteten Nischen erwarten wir für die Wirtschaft und damit auch für uns als Spezialfinanzierer besonders dynamische Entwicklungen.

Was genau meinen Sie damit?

Inka Klinger:Als Spezialfinanzierer konzentrieren wir uns auf Nischen, in denen wir einen Mehrwert bieten können. Ganz unverkennbar ist der Trend zur Nachhaltigkeit. Wir suchen nachhaltige Investments in unseren Fokussegmenten. Das sind die digitale Infrastruktur, Rail, Storage, District Energy, aber auch moderne Anlagen zum ressourcenschonenden und effizienten Umgang mit (Ab-)Wasser oder Abfällen. In all diesen Asset-Klassen handelt es sich um Zukunftsthemen und Megatrends. Dafür benötigen Sie als Finanzierer jahrelanges Spezialwissen – und das können wir mit Fug und Recht vorweisen. Regulatorische Anpassungen spielen uns dabei in die Karten: Die mittelständischen Unternehmen und Konzerne unterwerfen sich selbst freiwillig immer strengeren ESG-Regeln und werden vom Gesetzgeber zudem immer stärker beaufsichtigt. So dürfen etwa in Deutschland künftig Klärschlammreste nicht mehr auf dem Land ausgebracht werden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Klärschlamm zu trocknen und zu verbrennen. Hier entsteht ein neuer Markt – auch für uns als Finanzierer.

Derzeit ist die Digitalisierung vor dem Corona-Hintergrund das Investitionsthema der Stunde. Wie ist die Hamburg Commercial Bank hier aufgestellt?

Inka Klinger:Das Thema Breitband verfolgen wir seit nunmehr sieben Jahren und zählen uns in diesem Thema zu den Pionieren. Deutschland liegt im europäischen Vergleich am unteren Ende der Liste, was den Ausbau und die Durchdringung mit leistungsfähigen Netzen und digitalen Services anbelangt. Hier gibt es definitv viel Potenzial, aber auch zahlreiche Herausforderungen insbesondere für regionale Versorger, die sich künftig verstärkt diesem Thema widmen wollen. Breitbandprojekte sind zum einen sehr kapitalintensive Transaktionen mit verzögerten Einnahmen, die künftig nicht jede Gesellschaft auf die eigene Bilanz nehmen möchte und kann. Zum anderen gibt es neben den Chancen auch diverse Risiken und Fallstricke, die es zu verstehen gilt. Da wir tief in dieses Marktsegment eingetaucht sind, können wir gut beurteilen, welche Konzepte erfolgreich sind, oder was es braucht, um sie erfolgreich umzusetzen.