Interview mit Tilo Kraus zur Real Asset Konferenz in Hamburg

März 2020 – Die gelungene Veranstaltung konnten wir mit Tilo Kraus, Bereichsleiter Global Sales & Syndicate bei der Hamburg Commercial Bank, in vier Fragen und Antworten zusammenfassen:

4 Fragen an Tilo Kraus, Bereichsleiter Global Sales & Syndicate bei der Hamburg Commercial Bank
Tilo Kraus, Bereichsleiter Global Sales & Syndicate bei der Hamburg Commercial Bank

Der Corona-Virus führt uns derzeit die Anfälligkeit der so stark verwobenen Weltwirtschaft vor Augen. Alles hängt mit allem zusammen; wirklich sichere Häfen gibt es nicht mehr. Was bedeutet das für Investoren, die bei ihren Geldgeschäften doch vor allem eines wünschen: Sicherheit und Planbarkeit?

Tilo Kraus: Nach Jahren steigender Asset-Preise rücken unserer Ansicht nach defensive Asset-Klassen immer stärker in den Fokus. Allerdings bieten die klassischen „Safe haven“-Anlagen keine oder gar eine negative Rendite, selbst bei sehr langer Laufzeit. Vor diesem Hintergrund gewinnen defensive Real-Asset-Anlagen im Fremdfinanzierungsbereich, wie beispielsweise Erneuerbare Energien, aber auch die Finanzierung digitaler Infrastruktur, an Bedeutung. Diese sind in der Regel deutlich weniger anfällig gegen gesamtwirtschaftliche Verwerfungen.

Schiffe, erneuerbare Energien, Immobilien oder wieder auch Flugzeuge sind Möglichkeiten für Real-Asset-Investments bei größeren Anlagesummen. Wie beurteilen Sie die Marktchancen dieser vier Sparten aktuell?

Tilo Kraus: Immobilien sind immer spannend, allein schon aufgrund der Markttiefe der Asset-Klasse und der vielen Subsektoren. Einige Teilmärkte bieten aufgrund des hohen Interesses allerdings nur noch wenig attraktive Risiko-Rendite-Profile. Die Finanzierung erneuerbarer Energien bietet interessante Opportunitäten; unserer Meinung nach insbesondere auch dort, wo die Finanzierungsstrukturen bereits rein auf Marktpreise und nicht auf politisch determinierte Einspeisevergütungen abstellen können. Und trotz der Schwankungsbreite der Branche halten wir die Finanzierung von Schiffen momentan für sehr attraktiv.

Schiffsfinanzierungsmärkte hatten in der Vergangenheit ja durchaus turbulente Phasen. Insofern überrascht es, dass Sie die Finanzierung von Schiffen für institutionelle Investoren als interessant erachten. Was sind hierzu Ihre Überlegungen?

Tilo Kraus: Die Schifffahrt ist generell ein volatileres Geschäft. Allerdings muss man sagen, dass sich das Kapitalangebot in Europa deutlich reduziert hat. Von daher sehen wir mit Blick auf die Finanzierungsstrukturen als auch mit Blick auf die Margen attraktive Möglichkeiten für Investitionen, entweder mit langlaufenden und werthaltigen Chartern, also Vermietungen, oder aber durch Finanzierungen am oder unterhalb des Stahlwerts des Schiffes.

Welche Tendenzen sehen Sie in der Finanzierungslandschaft und welche Möglichkeiten der Beteiligung sehen Sie für institutionelle Anleger?

Tilo Kraus: In Europa wird weiterhin ein Großteil des Finanzierungsbedarfs – anders als in den USA – über Banken gedeckt. Diese Struktur verschiebt sich derzeit aber in einigen Asset-Klassen hin zu institutionellen Anlegern, beispielsweise bei größeren Infrastrukturfinanzierungen. Sehr große Investoren engagieren sich hier auch mit Direktanlagen. Bei mittelgroßen Investoren registrieren wir unter anderem aus Kapazitätsgründen eher eine Bündelung von Investments in Fonds oder aber die Nutzung von Kredit-Know-how über die Zusammenarbeit mit einer Bank.