Corona und die Folgen für den Bahnverkehr

September 2020 – Nicht allein der konjunkturabhängige Güterverkehr, auch der Personenverkehr auf der Schiene, wurde vom Lockdown im Frühjahr und dem massiven Konjunktureinbruch stark getroffen. Die Corona-Krise mag die Verkehrswende kurzzeitig ins Stocken gebracht haben, dauerhaft stehen die Weichen aber weiter auf „Change“. Als erfahrener Spezialfinanzierer hält die Hamburg Commercial Bank der Branche die Treue und sieht gerade jetzt und für die Zukunft zahlreiche Finanzierungsmöglichkeiten.

In den Bahnhof einfahrender ICE

Wenn schon der Branchenprimus hustet, muss die Lage wirklich ernst sein. „Deutsche Bahn fährt in Corona-Krise Milliardenverlust ein“ – so und ähnlich lauteten vor wenigen Wochen die Schlagzeilen in der deutschen Medienlandschaft. Leere Züge in Deutschland und Schwierigkeiten mit dem Auslandsgeschäft haben die Deutsche Bahn tief in die roten Zahlen getrieben. Von Januar bis Juni fuhr der Staatskonzern ein Minus von 3,7 Milliarden Euro ein, berichteten Zeitungen und nannten als Quelle Aufsichtsratskreise. Dabei hatte die Deutsche Bahn noch im Januar und Februar nach einer Fahrpreissenkung Passagier-Rekordzahlen vermeldet.

„Der Rail-Markt ist in der Covid-19-Krise weltweit stark betroffen“, sagt Inka Klinger, Global Head of Infrastructure Project Finance bei der Hamburg Commercial Bank. Die Auswirkungen zeigen sich in den verschiedenen Sektoren nach ihren Worten jedoch in deutlich unterschiedlicher Ausprägung. „Finanzierungen haben sich verzögert, wie jüngst bei VTG, und auch verteuert. Cargo ist deutlich konjunkturabhängiger als der Personenverkehr – und ist je nach Ausrichtung in dieser Krise erstaunlicherweise doch glimpflicher davongekommen“, sagt Klinger. Covid-19 habe gezeigt, wie schnell sich Risikobewertungen ändern. Den Personenverkehr – beispielhaft hier die Deutsche Bahn, die vor dem Hintergrund des politischen Drucks auch nahezu komplett leere Züge durchs Land schickte, um die Grundversorgung aufrechtzuerhalten – hat es hingegen hart getroffen.

„Die Schiene hat sich als schnelles und bequemes Verkehrsmittel etabliert. Wir gehen davon aus, dass sich die Personenverkehrszahlen auf dem gleichen Niveau wie vor Covid-19 einpendeln werden. Internationale Lieferketten in der Logistikbranche sind gestört. Unterbrechungen und Einbußen gibt es im Frachtverkehr innerhalb Europas, gleichzeitig werden Waren vom Schiff auf die Schiene umverteilt.“

Inka Klinger, Global Head of Infrastructure bei der Hamburg Commercial Bank

Hamburg Commercial Bank hält der Bahnbranche die Treue

Doch wie geht es jetzt weiter? Werden sich gerade die zahlreichen Privatbahnen von der Krise erholen? „Um eines vorwegzunehmen: Die HCOB bleibt bei ihrer Strategie als Spezialfinanzierer. Wir engagieren uns weiterhin im Rail-Markt als verlässlicher Partner mit einem Finanzierungsvolumen von mehr als einer Milliarde Euro“, versichert Inka Klinger. Ihr Blick in die Zukunft der Schiene ist optimistisch. „Wir rechnen in Europa weiterhin mit einem klaren Bekenntnis zur Schiene und einer sehr hohen Nachfrage nach neuen Assets. Der regionale Personenverkehr ist und bleibt ein subventioniertes Geschäft. Da aber der regionale öffentliche Personenverkehr Systemrelevanz hat, ist es selbstverständlich, dass er nach Lockerungen der Maßnahmen möglichst schnell wieder zum normalen Betrieb zurückgeführt wird“, sagt auch Jun Qian, Senior Vice President Infrastructure & Rail der Hamburg Commercial Bank. Große Hoffnung setzt die Expertin dabei vor allem auf die Konjunkturpakete der europäischen Regierungen.

Doch werden die Passagiere – aus Angst vor Ansteckung – die Bahn überhaupt im gleichen Maße nutzen wie vor der Krise? Der Individualverkehr im Auto boomt, so manche Angestellte kehren gar nicht mehr oder zumindest viel seltener als früher aus dem Homeoffices ins Großraumbüro zurück, was die Zahl der täglichen Bahnpendler drücken dürfte.

Inka Klinger hält dagegen: „Die Schiene hat sich als schnelles und bequemes Verkehrsmittel etabliert. Wir gehen davon aus, dass sich die Personenverkehrszahlen auf dem gleichen Niveau wie vor Covid-19 einpendeln werden. Internationale Lieferketten in der Logistikbranche sind gestört. Unterbrechungen und Einbußen gibt es im Frachtverkehr innerhalb Europas, gleichzeitig werden Waren vom Schiff auf die Schiene umverteilt.“

Durchfahrender Personenzug

Leasinggeber sind die Treiber der Modernisierung

Was all diese Entwicklungen dauerhaft für den Güter- und Personenverkehr bedeuten, lässt sich heute noch nicht mit Gewissheit sagen. „Die Betreiber sind auf jeden Fall härter betroffen als die Leasinggeber, die Rolling Stock Lessors, die auf langfristige Leasingverträge reflektieren. Teilweise werden Mietkürzungen oder ,rental holidays‘ verhandelt, um existenzielle Auswirkungen der Krise abzufedern“, sagt Qian.

Die Hamburg Commercial Bank unterstützt die Unternehmen, die schon vor der Pandemie erfolgreich waren. „Vor allem Private Rolling Stock Lessors sind die Treiber der Neubauinvestitionen im europäischen Railmarkt. In den nächsten Jahren erwarten wir in Europa private Finanzierungen in Höhe von zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr für Investitionen in Lokomotiven, Züge und Waggons“, sagt Klinger. Gleichzeitig planen die europäischen Staaten nach ihren Worten massive Investitionen in die Bahninfrastruktur: Deutschland legt ein 86 Milliarden Euro umfassendes Investitionsprogramm zur Modernisierung bis 2030 fest; Italien plant 58 Milliarden Euro Investitionen allein bis zum Jahr 2023. Klinger: „Rolling Stock bleibt in den nächsten Jahren eine gesuchte Asset-Klasse für Investoren, Banken und institutionelle Investoren.“

Mit ihrer Erfahrung und der Expertise für geeignete Lösungen begleitet das Team der Hamburg Commercial Bank auch künftig vielversprechende Transaktionen auf dem Markt. Die Hamburger Bank verfügt über ein breites Investorennetzwerk auf der Eigenkapital- und Fremdkapitalseite, das sie in langjähriger Zusammenarbeit mit namhaften Infrastrukturfonds wie Arcus, AMP und JP Morgan aufgebaut hat.