Entwicklung des Schiffsbranche 2020: Verhaltener Optimismus ja, Übertreibungen nein

Februar 2020 – Das Finanzierungs- und Beratungsgeschäft im Shipping hat sich bei der Hamburg Commercial Bank zuletzt gut entwickelt – auch 2020 erwartet die Bank solide Geschäfte. Im Mittelpunkt stehen dabei Refinanzierungen gut erhaltener Second-Hand-Schiffe.

Ohne die weltweite Containerschifffahrt ist die Globalisierung des Handels nicht denkbar. Allein über die deutschen Seehäfen wurden 2018 rund 292 Millionen Tonnen Güter abgewickelt, so hat es das Statistische Bundesamt festgehalten.

Viel los auf den Weltmeeren: Containertransportmenge in der weltweiten Seeschifffahrt von 2014 bis 2023 (in Millionen TEU*)

Containertransportmenge in der weltweiten Seeschifffahrt von 2014 bis 2023 (in Millionen TEU) | Quelle: Statista 2020

Welthandel weiter Treiber für Schifffahrt

Doch wie geht es 2020 weiter? Aktuell scheint die Zahl der politischen Konflikte zu wachsen, der Brexit ist beschlossene Sache, einige der jahrelang gut funktionierenden internationalen Handelsbeziehungen stehen auf dem Prüfstand – ein Stichwort sind hier die Diskussionen zwischen den USA und China. Generell kühlt sich das Konjunkturklima weltweit etwas ab, allerdings sagt der Internationale Währungsfonds (IWF) immer noch ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3,3 Prozent für 2020 voraus. „Es kann natürlich sein, dass das Welthandelsvolumen davon in gewisser Weise betroffen sein wird,“ sagt Jan-Philipp Rohr, Global Head of Shipping bei der Hamburg Commercial Bank. „Aber insgesamt werden weiter sehr viele Güter transportiert. Die Weltwirtschaftsleistung schrumpft nicht, sondern wächst nur etwas langsamer.“

Nach Jahren der Krise haben sich die Schifffahrtsmärkte speziell im vergangenen Jahr erholt, befinden sich aber immer noch auf einem verhaltenen Niveau. „Die Entwicklung ist in allen Asset-Klassen, in denen wir aktiv sind, erfreulich“, sagt Jan-Philipp Rohr. „Das gilt für Container, Tanker und Massengutfrachter.“ Auch für die nächsten Jahre seien die Prognosen gut. Das Gros der Marktteilnehmer sei optimistisch, ohne dass die einstige Übertreibung beim Bau neuer Schiffe zu spüren sei. „Die Märkte bewegen sich auf einem akzeptablen Niveau“, sagt der Shipping-Leiter der HCOB. Sehr zufrieden ist er vor allem mit den Abschlüssen in Griechenland. „Das ist mittlerweile unser wichtigster Markt.“ Gleichzeitig ist die Bank im übrigen Europa einschließlich Deutschland, in den USA und in Asien aktiv. „Die Kunden kennen uns teilweise sehr lange und wissen, dass wir unser Geschäft verstehen und zuverlässig sind. Der Eigentümerwechsel im Jahr 2018 hat daran nichts geändert, sondern uns sogar Zugang zu weiteren Kundengruppen verschafft“, sagt Rohr.

Menschenmassen in einer asiatischen Großstadt

„Die Kunden kennen uns teilweise sehr lange und wissen, dass wir unser Geschäft verstehen und zuverlässig sind. Der Eigentümerwechsel im Jahr 2018 hat daran nichts geändert, sondern uns sogar Zugang zu weiteren Kundengruppen verschafft.“

Shipping-Leiter Jan-Philipp Rohr von der Hamburg Commercial Bank.

Finanzierung von Second-Hand-Schiffen ist Hauptaugenmerk

Vor allem die Finanzierung von Second-Hand-Schiffen steht im Fokus der Aktivitäten. „Gerade unter Risikogesichtspunkten sind ältere Schiffe interessant“, sagt Rohr. „Alt“ ist dabei relativ: Meist sind die Schiffe acht bis 15 Jahre alt und können noch ein oder zwei Jahrzehnte lang eingesetzt werden. Allerdings sind dazu teilweise größere Instandsetzungs- und Umbauarbeiten notwendig, bei denen die Effizienz und die Umweltbilanz der Schiffe verbessert werden. Das kann über den Einbau einer neuen Schraube oder einer neuen Bugwulst geschehen.

Auch bei der Antriebstechnologie werden teilweise Anpassungen nötig, denn auch die Schiffsbranche hat ihren Teil zur Reduktion der weltweiten Kohlendioxidemissionen beizutragen. Dazu gehört die Optimierung der Motoren, die Nutzung hochwertigeren Kraftstoffs, der Einbau von Filteranlagen („Scrubber“) oder die Umstellung auf Flüssigerdgas (LNG).