„Wichtiges Bindeglied zum Kapitalmarkt“

Oktober 2020 – „Asset Based Finance 4.0 – Financing in Transition“ lautet das Motto des diesjährigen Kongresses der Verbriefungs-Initiative True Sale International GmbH (TSI). Die Hamburg Commercial Bank gehört seit 2004 an zu deren aktiven Unterstützern. Tilo Kraus, Bereichsleiter Global Sales & Syndicate, setzt auch künftig große Stücke auf das Thema Verbriefungen.

4 Fragen an Tilo Kraus, Bereichsleiter Global Sales & Syndicate bei der Hamburg Commercial Bank
Tilo Kraus, Bereichsleiter Global Sales & Syndicate bei der Hamburg Commercial Bank

Die Hamburg Commercial Bank gehört vom Start weg der bankenübergreifenden Initiative TSI an. Was sind Ihre gemeinsamen Ziele beim Thema Verbriefung?

Tilo Kraus: Die TSI entstand 2004 aus einer Bankeninitiative in Deutschland heraus. Unser gemeinsames Ziel lautete und lautet bis heute: Wir wollen den deutschen Verbriefungsmarkt fördern. Heute gehen die Themen der TSI aber deutlich über die Förderung des deutschen Verbriefungsmarkts hinaus und decken weite Bereiche des Asset-Based-Finance-Markts ab. Die HCOB ist Gründungsmitglied und gleichberechtigter Gesellschafter an der TSI GmbH. Unser Marktvorstand Dr. Nicolas Blanchard vertritt die Interessen der HCOB aktiv im Beirat der TSI. Und Alexander Podolsky vertritt uns aus dem Treasury heraus. Die Gesellschafter beziehungsweise Partner der TSI kommen aus allen Bereichen des deutschen Verbriefungs- und Markts für Asset Based Finance: von Banken über Beratungsunternehmen und Dienstleister, bis hin zu Kanzleien, Ratingagenturen und Verbänden. Was alle verbindet, sind die Kompetenz und Erfahrung im Markt mit Verbriefungen und beim Asset Based Finance sowie das gemeinsame Interesse, diese Geschäfte weiterzuentwickeln.

Was genau macht die TSI?

Tilo Kraus: Die TSI vertritt die Interessen des deutschen Verbriefungsmarkts und die verbriefungsnahen Segmente des Asset-Based-Finance-Markts gegenüber nationalen und internationalen Entscheidungsgremium sowie der breiten Fachöffentlichkeit. Dazu hält die TSI engen Kontakt zu nationalen und europäischen Berufsverbänden, zu Aufsichtsorganen und Notenbanken sowie zu gesetzgebenden Körperschaften und Behörden. Gerade die aktuelle Entwicklung bei verbriefungsnahen Strukturvarianten, beim Thema Sustainability, bei der Verbriefungs-Verordnung STS und bei der synthetischen Risikoentlastung verfolgen wir mit großem Interesse. Für uns als HCOB ist die enge Verzahnung mit den relevanten Marktteilnehmern im Rahmen der aktuellen TSI-Konferenz in Berlin zum Austausch wichtig. Aber auch dazu, um über unsere Produktansätze, wie zum Beispiel unsere SmartFact Plattform, zu informieren.

Welchen Stellenwert haben Verbriefungen heute für den Kapitalmarkt?

Tilo Kraus: Verbriefungen haben sich in Deutschland gut bewährt, und für die deutsche Wirtschaft ist die Verbriefung ein wichtiges Bindeglied zum Kapitalmarkt geworden. Ob Absatzfinanzierung der deutschen Autoindustrie, ob die Finanzierung von Anlagegütern über Leasing, ob die Working-Capital-Finanzierung der deutschen Industrie und des Handels – in allen Bereichen kommen Verbriefungen zunehmend zum Einsatz. In den vergangenen Jahren wurden regelmäßig zwischen 30 und 40 Milliarden Euro an Leasing- und Handelsforderungen sowie Krediten verbrieft.

Im Hinblick auf den regulatorischen Rahmen für Verbriefungen – was ist heute anders als vor zehn Jahren?

Tilo Kraus: Mit dem Inkrafttreten der Verbriefungs-Verordnung 2018, die für alle Neuemissionen seit Januar 2019 anzuwenden ist, wurde erstmalig ein EU-weit gültiger und dazu sektorübergreifend einheitlicher Rahmen zur regulatorischen Behandlung von Verbriefungen geschaffen. Mit dieser Neufassung der gesamten Verbriefungsregeln tragen die EU-Kommission, das EU-Parlament und der Europäische Rat der Tatsache Rechnung, dass Verbriefungen einen wichtigen Bestandteil gut funktionierender Finanzmärkte darstellen. Eine solide strukturierte Verbriefung ist ein wichtiges Instrument zur Diversifizierung der Finanzierungsquellen und fördert eine breitere Risikoallokation im europäischen Finanzsystem. Damit tragen Verbriefungen dazu bei, dass die Effizienz des Finanzsystems verbessert wird und die Bedingungen der Realwirtschaft im aktuell herausfordernden Finanzierungsumfeld stabiler werden. Die neuen Verbriefungsregeln gelten übrigens nicht nur für Banken, sondern für alle relevanten Finanzmarktsegmente wie Fonds oder Versicherungen, wo sich in den relevanten Regulierungen Verweise auf die Verbriefungs-Verordnung finden. Im Endeffekt ist es im Sinne einheitlicher europäischer Finanzmärkte wichtig, einen harmonisierten Regulierungsumfang zu haben.