„Das digitale Zeitfenster für Krankenhäuser öffnet sich gerade“

Juli 2020 – 3 Fragen an Thomas Miller, Gesundheitsexperte und Executive Director Research bei der Hamburg Commercial Bank

Thomas Miller, Gesundheitsexperte und Executive Director Research bei der Hamburg Commercial Bank
Thomas Miller, Gesundheitsexperte und Executive Director Research bei der Hamburg Commercial Bank

Herr Miller, was bleibt bei Ihnen als Jury-Mitglied vom Gesundheits-Hackathon des UKSH hängen?

Thomas Miller: Extrem viel Positives. Die Wettbewerbseinreichungen hatten ein sehr hohes Niveau – und was fast noch wichtiger ist – einen sehr konkreten Bezug zu aktuellen Herausforderungen von Krankenhäusern.

Das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen ist hierzulande nichts Neues. Was ist 2020 wirklich anders?

Thomas Miller:Kurze Antwort: das Corona-Virus. Sie haben Recht, über die Notwendigkeit der forcierten Digitalisierung im Gesundheitswesen wird in Deutschland schon lange, viel zu lange und zu zögerlich diskutiert. Das Corona-Virus hat nun praktisch über Nacht die Debatte revolutioniert, das Thema nimmt rasant Fahrt auf. Denken Sie nur an die neuen Möglichkeiten der Telemedizin: vor Kurzem noch undenkbar, jetzt vielfach im Einsatz. Gerade für Krankenhäuser, die modernisieren möchten und müssen, öffnet sich derzeit ein historisches Zeitfenster. Im aktuellen Konjunkturprogramm der Bundesregierung werden über das „Zukunftsprogramm Krankenhäuser“ drei Milliarden Euro als Fördergelder ausgegeben. Diese sollen für die Aufwertung der digitalen Infrastruktur in den Kliniken verwendet werden, für Tele- und Hightech-Medizin sowie Robotik.

Welche Schwerpunkte bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen sehen Sie?

Thomas Miller:Vor allem auf fünf Feldern sehe ich große Chancen. Erstens bei der Digitalisierung von Daten und dem verbesserten Austausch von Daten im Krankenhaus oder zwischen Ärzten und Patienten. Zweitens können mithilfe etwa von Künstlicher Intelligenz Entscheidungen über Behandlungen oder medizinische Eingriffe intelligenter und noch personalisierter erfolgen – statt einer Behandlungsform für alle also sehr viel individuellere Therapieformen. Drittens sehe ich große Potenziale bei der Verbesserung und Automatisierung von Prozessen. Viertens stehen wir in Sachen Patienten-Monitoring und Telemedizin erst am Anfang – hier gibt es noch viel zu tun und zu gewinnen. Und fünftens bietet eine verstärkte Digitalisierung die Chance auf mehr Hilfe zur Selbsthilfe durch die Patienten selbst.