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Februar 2019 – Beim Breitbandausbau droht die Industrie- und Exportnation Deutschland den Anschluss zu verlieren. Besonders fernab der Ballungsräume lahmt das Netz. Findige Unternehmen wollen das ändern. Sie setzen auf Hightech, schlanke Strukturen, privates Kapital und erwarten vom Staat nur eines: klare Rahmenbedingungen. Als Pionier der ersten Stunde kennt sich die Hamburg Commercial Bank mit den spezifischen Finanzierungsbedingungen aus wie kaum ein anderes Geldinstitut. Auch im Europaweiten Glasfaser-Schlusslicht Österreich halten dabei jetzt schnelle Daten-Verbindungen, z.B. mit dem Projekt Cybercity, Einzug.

Magere 2,4 Prozent. So hoch oder besser niedrig ist hierzulande die Glasfaseranschlussquote, hat der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V. (VATM) errechnet. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, kommt gar nur auf einen Wert von 2, 3 Prozent. Zum Vergleich: In Schweden surfen längst 62 Prozent aller privaten Haushalte auf der schnellsten Internetwelle, in Lettland sind es rund 65 Prozent und in Südkorea gar fast 77 Prozent.

Deutschland beim schnellen Surfen noch abgeschlagen

Länderranking nach Durchdringung der Haushalte mit Glasfaseranschluss in Prozent

Deutschland beim schnellen Surfen noch abgeschlagen. Länderranking nach Durchdringung der Haushalte mit Glasfaseranschluss in Prozent.

Quelle: OECD, Dezember 2017

Vom flächendeckenden Einsatz der ultraschnellen Glasfaser, die Übertragungsraten bis in den Terrabit-Bereich ermöglicht, ist Deutschland also noch weit entfernt. Dabei sind zügige Investitionen dringender denn je: Nach Prognosen des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird sich der gesamte IP-Datenverkehr hierzulande zwischen 2015 und 2025 versechsfachen, der mobile Datenverkehr sogar um den Faktor 18 erhöhen. Man muss kein Ingenieur sein, um zu erkennen, dass das mit den vorhandenen Kapazitäten und Datengeschwindigkeiten nicht klappen kann.

Mobile Zukunft, lahme Gegenwart

Mobile Zukunft ist mehr als Smart­phone­nutzung
Industrie 4.0, 3-D-Druck, Telemedizin und Elektro­mo­bilität verändern das Gesicht der Welt­wirt­schaft. Mobile Zukunft bezeichnet weit mehr als Smart­phone­nutzung.

Zu radikal sind die Umbrüche und Marktverschiebungen durch Industrie 4.0, 3-D-Druck, Telemedizin oder Elektromobilität. All diese Megatrends verändern das Gesicht der Weltwirtschaft und bieten besonders dem global aufgestellten deutschen Mittelstand neben manchem Risiko noch viel mehr Chancen. Wenn die Grundvoraussetzung dafür erfüllt ist: Ohne schnelle Netze kommen Deutschlands Unternehmen, die sich allzu oft noch mit Übertragungsraten von 50 Mbit pro Sekunde begnügen müssen, nicht in den Genuss der neuen Technologien. Die digitalen Kanäle sind die Handelswege des 21. Jahrhunderts. Hochgeschwindigkeitsnetze sind für die digitale Wirtschaft heute so entscheidend, wie es einst die Elektrizitätsnetze und die Eisenbahnen für die industrielle Entwicklung waren.

„Es gibt in Deutschland ein vergleichsweise traditionelles Verständnis davon, wie Investitionen in die Infrastruktur realisiert werden sollen. Meist bleiben die Projekte in staatlicher Hand oder sollen über Subventionen gelenkt werden.“

Dr. Marcus Kleiner, Head of Origination Infrastruktur & Logistik bei der Hamburg Commercial Bank

Der Bund reagiert und will angesichts der Bedeutung der digitalen Infrastruktur für die Zukunfts- und Innovationsfähigkeit Deutschlands die Fördermittel „bedarfsgerecht weiter erhöhen“. Nach aktuellem Stand bedeutet dies die Bereitstellung von Bundesfördermitteln in Höhe von rund drei Milliarden Euro pro Jahr ab 2018. Doch mindestens genauso wichtig wie mehr Fördermittel für strukturschwache Regionen ist eine verbesserte Koordination. „Der Staat reagiert oft unkoordiniert auf Hilferufe von Bürgermeistern und Landräten, die sich um die Zukunft des ländlichen Raums und die Arbeitsplätze vor Ort sorgen. Resultat sind dann oft Zuschüsse nach dem Gießkannenprinzip“, sagt Steffen Leiwesmeier, Head of Financing Digital Infrastructure bei der Hamburg Commercial Bank.

Beim Breitbandausbau: Sorgenvoller Blick auf die Zukunft des ländlichen Raums und die Arbeitsplätze vor Ort. Resultat sind dann oft Zuschüsse nach dem Gießkannenprinzip.

„Der Staat reagiert oft un­ko­ordi­niert auf Hilferufe von Bürger­meistern und Land­räten, die sich um die Zukunft des länd­lichen Raums und die Arbeits­plätze vor Ort sorgen. Resultat sind dann oft Zuschüsse nach dem Gieß­kannen­prinzip“, sagt Steffen Leiwes­meier, Lei­ter digitale Infra­struktur­fi­nan­zie­rungen bei der Hamburg Commercial Bank.

Schaltkasten Breitband
Hoch­ge­schwindig­keits­netze sind für die digitale Wirt­schaft heute so entscheidend, wie es die Elek­tri­zi­täts­netze vor einem Jahrhundert für die industrielle Entwicklung waren.

Hinzu kommt: „Es gibt in Deutschland ein vergleichsweise traditionelles Verständnis davon, wie Investitionen in die Infrastruktur realisiert werden sollen. Meist bleiben die Projekte in staatlicher Hand oder sollen über Subventionen gelenkt werden. Nur in Ausnahmefällen sind private Partner mit an Bord. Dabei könnten gerade durch das Zusammenspiel von staatlichen und privaten Partnern zusätzliche und auch großvolumige Projekte umgesetzt werden und es könnte so die Investitionstätigkeit insgesamt gesteigert werden“, erklärt Dr. Marcus Kleiner, Head of Origination im Bereich Unternehmenskunden Infrastruktur & Logistik der Hamburg Commercial Bank. Sein Haus engagiert sich bereits seit Mitte der Neunzigerjahre bei Infrastrukturfinanzierungen – von Lokomotiven über Waggons bis hin zum Datenverkehr – und tut es bis heute im immer stärkeren Ausmaß. „Fast jeden zweiten Tag werden uns neue Projekte in ganz Europa angeboten; die ,Pipeline‘ ist mit rund einer Milliarde Euro prall gefüllt.“

Erde und Mond verbunden

Bauingenieure und Handwerker haben für die Deutsche Glasfaser schon fast 400.000 Kilometer an Glasfasernetzen verlegt.

Wie gut es sich bei klaren Rechts- und Rahmenbedingungen auch ohne jeden Cent an Fördergeld im Bereich Breitband investieren und wirtschaften lässt, beweist das Unternehmen Deutsche Glasfaser mit Sitz im westfälischen Borken. Das Unternehmen entwickelt, baut und betreibt Glasfasernetze. Die Bauingenieure und Handwerker haben für das Unternehmen bereits knapp 400.000 Kilometer an Glasfasernetzen verlegt. Das entspricht der Distanz zwischen Erde und Mond.

Auch im europaweiten Schlusslicht beim Glasfaserausbau Österreich sind mit dem Projekt „Cybercity“ jetzt mit einem Schlag 20.000 Haushalte und Geschäftskunden mit Breitband-Anschlüssen ausgestattet worden. „Bei dieser Transaktion handelt es sich angesichts des stark wachsenden Breitband- und Glasfaserausbaus in Österrreich um einen Landmark-Deal mit hoher Visibilität“, sagt Kleiner. Ziel des Projektes „Cybercity“ vom österreichischen Breitbandunternehmen Infotech, finanziert von der Hamburg Commercial Bank, ist die nachhaltige Breitbandversorgung von insgesamt mehr als 30 Gemeinden im Innviertel, dem nordöstlichsten Viertel in Oberösterreich.

„Unser Ziel ist es, Marktführer beim Glasfaserausbau in Deutschland zu werden“, sagt CFO Jens Müller selbstbewusst. Gestartet ist die Deutsche Glasfaser vor allem mit dem Privatkundengeschäft. „In Zukunft wollen wir ein besonderes Augenmerk auf die Geschäftskundengebiete legen“, sagt Müller.

„Mithilfe unserer Glasfaserdirektanschlüsse überholt das Dorf auch beim Internet mühelos jede deutsche Millionenstadt.“

Jens Müller, CFO Deut­sche Glasfaser

Solche Wachstumsphantasien wollen solide finanziert sein: Erst vor Kurzem erhöhte das Unternehmen bei seinen Bankpartnern, zu denen auch die Hamburg Commercial Bank gehört, den Fremdfinanzierungsrahmen. Seit Mitte 2015 agiert die Deutsche Glasfaser unter mehrheitlicher Beteiligung des international engagierten Investors KKR.

Wesentlicher Grund des Unternehmenserfolgs ist die Fokussierung auf den ländlichen Raum. „Mithilfe unserer Glasfaserdirektanschlüsse überholt das Dorf auch beim Internet mühelos jede deutsche Millionenstadt“, sagt CFO Müller. In einer Umfrage des Verbands Kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) im Januar 2017 unter mehr als 1.400 Unternehmen äußerten die lokalen Vertreter sogar die Hoffnung, dass eine verbesserte digitale Infrastruktur die zunehmend zu beobachtende Landflucht in Deutschland aufhalten könnte.

Je schneller das Netz in den ländlichen Regionen und vor allem den Speckgürteln der großen Städte wird, desto mehr Menschen werden dorthin aus den Innenstädten mit ihren hohen Mieten und Grundstückspreisen hinziehen. Doch keinen Freiberufler oder Digitalarbeiter lockt es aus der Stadt, wenn das Netz im Dorf lahmt. In vielen Gemeinden liegt die Download-Geschwindigkeit laut der VKU-Umfrage noch immer deutlich unter 50 Megabit pro Sekunde. Für knapp 65 Prozent der befragten Firmen stellt der Breitbandausbau derzeit ganz eindeutig die größte Herausforderung in ihrem Geschäftsgebiet dar.

Spannende neue Assetklasse

Bei 100 Mbit pro Sekunde ist bei den Glasfasernetzen längst noch nicht Schluss. Ihr großes Plus ist die Skalierbarkeit, nach oben gibt es fast keine technische Grenze der Geschwindigkeit und der Anschlusszahlen. Kapazitätserhöhungen sind damit jederzeit möglich. „Genau das ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine langfristig nutzbare Infrastruktur bei der Digitalisierung des Landes. Und das macht die Assetklasse auch für institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen oder Pensionsfonds so interessant“, meint Steffen Leiwesmeier. Jens Müller von Deutsche Glasfaser ist sicher: „Das Potenzial der Glasfaser ist sehr hoch. An der Nachfrage wird der Ausbau garantiert nicht scheitern.“

„Für eine langfristig nutzbare Infrastruktur bei der Di­gi­ta­li­sie­rung des Lan­des sind Ka­pa­zi­täts­er­hö­hungen ein we­sent­licher Er­folgs­fak­tor. Und das macht die Asset­klasse auch für in­sti­tu­tio­nelle In­ves­toren so interessant.“

Steffen Leiwesmeier, Leiter digitale Infrastrukturfinanzierungen bei der Hamburg Commercial Bank

Branchenstudie „Glasfaser: Ausbau und Finanzierung“

Die Studie „Glasfaser: Ausbau und Finanzierung“ der Hamburg Commercial Bank zeigt die Unverzicht­barkeit von Glas­faser für neue Technologien, den gegenwärtigen Stand und die Chan­cen der Zukunfts­infra­struktur für die Wirtschaft.
Senden Sie einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Glas­faser­studie“ an steffen.leiwesmeier@hcob-bank.com und Sie erhalten die voll­ständige Studie.