Mit der Holzklasse auf Platz 1

Akademiker in spe können sich in Hamburg in einem fast komplett aus Holz gebauten Wohnheim namens „Woodie“ niederlassen. Ein außergewöhnliches Immobilienprojekt, dessen bauliche und gestalterische Qualitäten – gerade auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit – inzwischen mehrfach ausgezeichnet wurden. Dies zuletzt auf der wichtigsten Immobilienmesse weltweit, der MIPIM in Cannes. Dort überzeugte das Studentenwohnhaus Woodie die Jury in der Kategorie Wohnimmobilien. Finanziert wurde das innovative Projekt von der Hamburg Commercial Bank, die über ausgezeichnetes Know-how auf dem Gebiet dieser speziellen Wohnform verfügt.

Diese knapp 20 Quadratmeter Wohnraum machen Lust auf das Studium. Der Boden, die Decke und die Wände sind nicht etwa aus Stein gemauert, sondern aus schickem, hellen Vollholz montiert – und verbreiten damit den gemütlichen Charme eines Holzhauses, wie er oft in nordischen Ländern zu finden ist.

Aus dem gleichen Holz sind die Möbel, wie das Bett und der Schreibtisch, gefertigt. Konsequent dem öko­lo­gisch­en Gedanken verpflichtet, besteht die Trittfläche aus Naturkautschuk. Dazu noch eine kleine Pantry und ein Duschbad – und fertig ist das Studentenapartment.

Wie bei einem übergrossen Lego-Spiel aufeinandergestapelt

Rendering des Wohnheims

Ort der Besichtigung: Ein auf den ersten Blick unscheinbarer Container, wie er täglich mil­li­onen­fach über die Welt­meere schippert. Das Rechteck ist Teil eines bisher einzig­artigen Pro­jekts. Aus 371 dieser Module entsteht ein völlig neuartiges Studentenwohnheim – und zugleich das größte Holzhaus Hamburgs. Sein Name: „Woodie“, angelehnt an das Haupt­bau­material.

Die einzelnen Module werden wie bei einem übergroßen Lego-Spiel aufeinandergestapelt und miteinander verschraubt und bieten ma­xi­male Flexibilität, da sie auch zusam­men­gelegt werden können. Nur das Erdgeschoss, das Dach und die Fahrstuhlschächte bestehen aus Brandschutzgründen aus Beton.

Ausgezeichnetes Projekt

MIPIM Award 2019
Die MIPIM Awards prämieren seit 1991 weltweit herausragende Immobilienprojekte. Mit der internationalen Auszeichnung werden technisch und architektonisch herausragende Projekte gewürdigt. Die Preisverleihung findet jährlich im März im südfranzösichen Cannes statt. In der Kategorie "Wohnimmobilien" setzte sich dieses Jahr das Studentenwohnhaus Woodie in Hamburg-Wilhelmsburg durch.

Immobilienmanager Award 2018
Der Award prämiert seit 2009 jährlich die bes­ten Immobilienprojekte, Deals, Dienst­leis­tungen und Köpfe der Immo­bi­lien­wirt­schaft in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz. Eine Jury, besetzt mit re­nom­mier­ten Ver­tretern der Immobilien­branche, wählt die Sie­ger in ins­ge­samt 14 Kategorien aus. Das Projekt Woodies, das Stu­den­ten­appart­ment­haus in modularer Bauweise in Ham­burg Wil­helms­burg erhielt in diesem Jahr eine der be­gehr­ten Aus­zeich­nungen.

Wohnbau Preis Hamburg 2017
Die Qualität des Wohnens bestimmt maß­geb­lich die Iden­ti­tät einer Stadt. Daher zeichnet das Architektur Centrum Projekte mit einer besonderen baulichen und gestalterischen Qualität mit dem WohnbauPreis Hamburg aus. Prämiert werden Woh­nungs­bauten, die in den ver­gangenen vier Jahren im Großraum Ham­burg realisiert wurden. Schirm­herrin ist Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadt­ent­wicklung und Wohnen Hamburg. Das Stu­den­ten­wohn­heim Woodie wurde mit einem 1.Preis ausgezeichnet.

Woodie reckt sich sechs Stockwerke hoch in den Himmel des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg. Nur neun Minuten mit der S-Bahn vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt, bauten hier im aufsteigenden Quartier die Investoren Torsten Rieckmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Senectus Capital GmbH, und Achim Nagel, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Primus GmbH – es ist das erste gemeinsame Projekt der Bauherren.

Peter Axmann, Leiter des Bereichs Immobilien bei der Hamburg Commercial Bank und zum ersten Mal untern neuem Namen der Bank auf der Messe in Frankreich, gehörte zu den ersten Gratulanten der Preisträger Nagel und Rieckmann von Primus Developments und Senctus: „Wir haben uns sehr gefreut, dass unsere Kunden nun mit dem `Woodie´ auch noch den MIPIM-Award abgeräumt haben“, sagt Axmann. „Bereits im vergangenen Jahr wurden die Projektentwickler für das unkonventionelle Vorhaben mit dem ImmoblienManager-Award ausgezeichnet. Woodie gilt als Vorbild des seriellen Wohnungsbaus aus Vollholz.

In unmittelbarer Nachbarschaft von Woodie sind in Hamburg schon ein Pflegeheim und ein Ärztehaus entstanden. Immer mit im Boot: die Hamburg Commercial Bank. „Wir haben die Hamburg Commercial Bank als sehr verlässlichen, engagierten und auf unsere Bedürfnisse eingehenden Finanzierer schätzen gelernt“, sagt Co-Investor Rieckmann. Gerade auf dem Gebiet der Entwicklung und Finanzierung von Studentenapartments komme der Hamburg Commercial Bank mit ihrem Fachwissen nahezu eine Monopolstellung zu.

Grösse ist problematisch

In diesen Städten ist der studentische Wohnungsmarkt am stärksten angespannt*

In diesen Städten ist der studentische Wohnungsmarkt am stärksten angespannt*


* Ermittelt wird für 91 Städte ein Anspannungsindex für den studentischen Wohnungsmarkt. Dieser kann maximal 100 Punkte betragen. Detailliert untersucht wurden für die Analyse 23 Faktoren von den WG-Preisen über das Immobilienangebot, die Entwicklung der Studierenden- und Erstsemesterzahlen, die Altersstruktur der Bewohner bis hin zur Attraktivität von Universität und Stadt für in- beziehungsweise ausländische Studierende.

Quelle: GBI AG, 2016

Der gute Ruf der Hamburg Commercial Bank als Finanzierungspartner für Student-Housing- und andere Mikro-Wohnanlagen hat sich längst herumgesprochen. Peter Axmann leitet das Immobilienkundengeschäft der Bank und berichtet von Anrufen interessierter Projektentwickler, Betreiber und Investoren aus ganz Deutschland. Sie schätzen die Erfahrungen der Experten, die sie bei der Finanzierung etlicher solcher Objekte in den vergangenen Jahren gesammelt haben. „Wir waren eines der ersten Institute, die diese besondere Wohnform finanziert hat, kennen nahezu jedes Projekt der vergangenen 20 Jahre und zudem alle großen Entwickler.“ Das Bestandsvolumen für temporäres Wohnen sei zwar im Vergleich mit dem für Büro-, Einzelhandels sowie Wohnimmobilien – das etwa 80 Prozent bei der Hamburg Commercial Bank ausmache – eher gering, wachse aber stetig und sei eine wichtige Nische in einem gut diversifizierten Portfolio, so Axmann.

Bankkunde Rieckmann reiste quer durch Deutschland, um den Markt für studentisches Wohnen zu sondieren. Rund 20 Häuser dieser speziellen Wohnform inspizierte er und lernte dabei: Viele sind in der Moderne angekommen, entstaubt vom zweifelhaften Charme des vorherigen Jahrhunderts – ein Haus nahezu aus Holz gab es jedoch noch nicht.

Ein wichtiger Aspekt des Bauens mit Holzmodulen ist die erhebliche Reduzierung der Bauzeit. „Wir haben Woodie in zehn Monaten fertiggestellt, was im Vergleich mit einer konventionellen Bauweise eine Reduzierung um etwa die Hälfte ist. Zudem wurden die Module aus der Fließbandproduktion bezugsfertig und versiegelt angeliefert, sodass die Mängelbeseitigung und Übergabe marginal war“, sagt Co-Investor Achim Nagel. So sei es überhaupt erst möglich gewesen, den Bezug des Woodie zum Wintersemester 2017 sicherzustellen.

Aber auch noch aus anderen Gründen entschieden sich die Pioniere Nagel und Rieckmann für das Material. „Holz ist langlebig, bietet guten Schallschutz und trägt zum Klimaschutz bei“, erklärt Rieckmann. Die zwölf Zentimeter dicken Vollholzwände der einzelnen Module sowie eine zusätzliche Holzfassade liefern beste Wärmedämmwerte und lassen Schimmel gar nicht erst entstehen – KfW-Standard 55 inklusive.

3, 2, 1… fertig!

Entwicklung der Studentenzahlen in Millionen, in den Wintersemestern 2007/2008 bis 2018/2019

Entwicklung der Studentenzahlen in Millionen, in den Wintersemestern 2007/2008 bis 2018/2019

* geschätzt

Quelle: Statistisches Bundesamt

Den Lieferanten der Module hatten die Investoren in Österreich gefunden. Die Firma Kaufmann Bausysteme im Bregenzer Wald fertigte die Apartments mit Duschbad, Küchenzeile, Bett sowie Schreibtisch und montierte sie auf einem Stahlbetonsockel. Zwei der bezugsfertigen Wohnräume passten auf einen Lastwagen, der sie nach Hamburg brachte.

Der Entwurf für das Studentenwohnheim stammt von den Berliner Architekten Sauerbruch Hutton, die auch den 2013 fertiggestellten Neubau der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen im Nachbargebäude konzipiert hat. In dem Haus sitzt ein weiterer Architektenprofi: Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter. Er lobt das Projekt des Woodie als „einmalig, innovativ und maßgeschneidert“.

„Vielen anderen Banken ist das Geschäft zu umständlich“

Blick auf die Woodie-Baustelle von oben

Maßgeschneidert ist auch die Finanzierung des 37-Millionen-Euro-Projekts, das durch einen auf zehn Jahre laufenden Kredit angelegt ist. Co-Investor Rieckmann: „Die Hamburg Commercial Bank versteht nicht nur das Projektfinanzierungsgeschäft, sondern kennt auch die Besonderheiten die bei studentischem Wohnen bedacht werden müssen. Vielen anderen Banken ist das Geschäft zu komplex oder zu umständlich.“

Das Woodie ist ein Vorzeigebeispiel für einen Markt, der seit Jahren wächst. Das liegt auch an dem steigenden Anteil ausländischer Studierenden, die nicht zuletzt schätzen, dass die staatlichen Universitäten hierzulande keine Studiengebühren verlangen. Insgesamt ist die Zahl der Studenten in Deutschland mit 2,8 Millionen zuletzt auf einen neuen Höchststand geklettert.

Peter Axmann sieht noch weitere Gründe für ein hohes Interesse an Mikro-Apartments: „Nicht nur Studenten und Auszubildende, auch Singles und Berufstätige, die am Wochenende nach Hause pendeln, sind auf der Suche nach kleinen Wohnungen in den Metropolen. Die Nachfrage ist also hoch und das Angebot längst nicht ausreichend.“

Rund-um-sorglos-Paket für Studierende

Alles, was Studenten heutzutage an Service erwarten, bekommen sie im Woodie. Das Wichtigste, wie Co-Investor Rieckmann aus seiner Erfahrung weiß, ist ein schnelles Internet. Dazu wurde eine 100 Mbit-Leitung verlegt. Die Nutzung ist in der Warmmiete selbstverständlich enthalten. Im „Woodietorium“, dem gemeinsamen Aufenthaltsraum, können sich die Studenten austauschen. Zudem stehen eine DHL-Packstation , 400 Fahrradabstellplätze, 20 Autoparkplätze und eine „Waschmaschinen-Lounge zur Verfügung“. Ein in unmittelbarer Nähe befindlicher Carsharing-Anbieter runden das Angebot ab. „Woodie bietet ein Rund-um-sorglos Paket mit ökologisch sau¬be¬rem Gewissen“, sagt Peter Axmann.

Woodie überzeugt auch die Jury des MIPIM Award. Das Holzbauprojekt ist für die Liste der ambitionierten Immobilienvorhaben nominiert, unter denen dann am 14. März 2019 im Palais des Festivals im französischen Cannes die Gewinner in den insgesamt elf Kategorien ermittelt werden.