Bitcoin und Banken: Konkurrenz? Kollaboration!

April 2021 – Kryptowährungen und allen voran Bitcoin erleben derzeit einen rasanten Aufschwung. Was bedeutet das für die Zukunft des Finanzsystems und vor allem die Rolle der Banken? HCOB-Chefvolkswirt Dr. Cyrus de la Rubia hat darauf jetzt im Finanzszene-Podcast „Bitcoin, Fiat und Rock’n Roll“ ausführlich geantwortet.

Bitcoin Logo auf einem Handy Display

„Ist das Geld, oder kann das weg?“ fragte Cyrus de la Rubia Anfang 2021 etwas ketzerisch in seinem regelmäßigen Gastkommentar auf manager-magazin.de. Die Antwort liefert er gleich hinterher: „nein, das kann nicht weg“. Auch wenn einzelne Währungen vielleicht wieder vom virtuellen Markt verschwinden werden, ist sich de la Rubia sicher: Die Kryptowährungen sind gekommen, um zu bleiben. „Bitcoin oder genauer gesagt die durch ihn ins Leben gerufene Technologie hat in einem hohen Maße disruptives Potenzial“, sagt er.

Längst ist der Bitcoin auch in der „realen Wirtschaft“ angekommen. E-Auto-Pionier Elon Musk kündigte Anfang 2021 an, einen Milliardenbetrag in Kryptowährung anzulegen. Und Autobauer Tesla will in Zukunft Kundenzahlungen für neu ausgelieferte Fahrzeuge auch in digitaler Münze akzeptieren. Vor wenigen Tagen dann wagte sich mit Coinbase eine Handelsplattform für digitale Währungen selbst auf das Parkett der New Yorker Börse – und ist bereits heute wertvoller als die US-Technologiebörse Nasdaq und die London Stock Exchange zusammen.

Diagramm eines Aktienverlaufs

Digitalwährungen bieten zahlreiche Vorteile

Die Vorteile der Digitalwährung liegen auf der Hand: Bitcoin kann direkt von einem Nutzer zum anderen übertragen werden. Es gibt also anders als im derzeitigen Zahlungssystem keinen Intermediär, wie etwa eine Bank. „Deutlich revolutionärer ist heute aber eher die Idee hinter der Ethereum-Blockchain: Statt der auf Zahlungen spezialisierten Bitcoin-Blockchain ist Ethereum eine so genannte general purpose Blockchain, auf der alle Arten von Daten gespeichert werden können, also auch digitale Verträge. Mit Hilfe dieser Smart Contracts können autonom laufende Geschäftsmodelle geschaffen werden“, sagt der Chefökonom der HCOB. Finanzdienstleistungen aus der alten Welt – Darlehen, Zahlungsverkehr, Börsenhandel und Identitätsmanagement – werden in die neue Blockchain-Welt übertragen. Das Versprechen ist, dass die Prozesse dadurch weitestgehend automatisiert, fehlerresistenter und weniger personalintensiv werden. „Trotz der Fülle an Projekten fehlt indes noch der Katalysator, der dem Sektor den Schub verleiht, um aus der Nische herauszukommen. Der geplante digitale Euro könnte ein derartiger Katalysator sein“, meint de la Rubia.

Seit 2013 beschäftigt sich de la Rubia mit dem Bitcoin. „Anfangs verwundert bis verwirrt, dann immer interessierter und beeindruckter“, so de la Rubia. Als einer der wenigen kennt er sich in beiden Welten erstklassig aus: der der klassischen Finanzen und der Digitalwährungen. Bis dato reden diese beiden Fraktionen mehr übereinander als miteinander. Bei Cyrus de la Rubia ist das anders – und er hat aufgrund seiner tiefen Kenntnis beider Welten auch beruhigende Botschaften für alle Beteiligten: „Der Bitcoin wird sich auf Dauer etablieren – und könnte etwa gerade bei internationalen Zahlungen noch eine wichtige Rolle einnehmen. Ich glaube aber nicht, dass Bitcoin für das Geschäftsmodell der Banken eine Bedrohung darstellt.“ Vielmehr sieht der Chefökonom für Banken eine große Chance darin, die Schnittstelle zwischen der traditionellen Finanz- und Geschäftswelt und der Welt der Kryptowährungen herzustellen. Ein Beispiel wäre, dass Banken ihren Kunden die Verwahrung von Kryptoassets anbieten.

Über diese und weitere Punkte spricht de la Rubia im Podcast „Bitcoin, Fiat und Rock’n Roll“ mit den Experten für digitales Geld Alexander Bechtel und Jonas Gross. Und auch über das Thema des immens hohen Energieverbrauchs von Kryptowährungen. Laut dem „Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index“ der Universität Cambridge verbraucht das Bitcoin-System inzwischen pro Jahr mehr Strom als ganz Schweden. Mitte April 2021 waren das rund 0,60 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs.

Neben dem Energieverbrauch von Bitcoin geht es in der Episode auch um die Blockchain-Technologie im Allgemeinen und darum, welche Rolle Banken im Krypto-Ökosystem spielen könnten. Ist die Blockchain für Banken eine Gefahr oder Chance? Welches Potential hat diese Technologie für die Bankenlandschaft?

Aktienkurse werden auf einem Handy angezeigt

Dr. Cyrus de la Rubia

Economics

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