Studie der HCOB: Rolle des Fremdkapitals für mehr Nachhaltigkeit

September 2021 – Der Weg zur Klimaneutralität ist klar vorgezeichnet. Doch er ist zugleich lang und erfordert vor allem viel Kapital. Gerade fremdfinanzierte Nachhaltigkeitsprojekte sind ein knappes Gut. Die Studie „Fremdkapital: Baustein der Nachhaltigkeit“ der Hamburg Commercial Bank zeigt jetzt Wege auf, wie sich das ändern ließe.

Pflanze auf der Hand

Der Paukenschlag aus Karlsruhe war sprichwörtlich noch im Berliner Regierungsviertel zu hören. Ende April dieses Jahres verkündete das Bundesverfassungsgericht sein Urteil zu einer ganzen Reihe von Verfassungsbeschwerden gegen das deutsche Klimaschutzgesetz. Fazit: Deutschland muss zum Erreichen der Klimaziele wesentlich mehr Druck machen – besonders für den Zeitraum nach 2030. Die aktuelle Bundesregierung hat die Warnung der obersten Gesetzeshüter verstanden und mit der Novelle des Klimaschutzgesetzes postwendend reagiert. Das hehre Ziel der Klimaneutralität wird nun schon für 2045 ins Auge gefasst – fünf Jahre früher als mit der Welt im Pariser Klimaschutzabkommen für 2050 vereinbart.

„Mittels Kreditvergabe und Kapitalanlagen können sie die Akteur:innen bewegen, ihre Anstrengungen vor allem in Umwelt- und sozialen Belangen zu vertiefen.“

Inka Klinger, Global Head of Infrastructure Project Finance der Hamburg Commercial Bank

An Kapital für die Klimawende mangelt es nicht

Doch Pläne sind erst einmal nur Pläne. Damit aus ihnen Wirklichkeit wird, braucht es neben viel technologischem Wandel vor allem eines: entsprechendes Kapital. Daran herrscht in Deutschland und Europa kein Mangel. Deutschlands Versicherungsgesellschaften sind mit mehr als zehn Billionen Euro an verwaltetem Vermögen die größten in Europa. Europäische Banken in der Eurozone verleihen mehr als sechs Billionen Euro an Haushalte und fünf Billionen Euro an Nicht-Finanzunternehmen. Europäische Vermögensverwalter in der Eurozone verwalten aktuell mehr als 14 Billionen Euro.

„Gerade Finanzinstitute können und sollen einen großen Teil dazu beitragen, dass die Welt sauberer wird“, sagt Inka Klinger, Global Head of Infrastructure Project Finance bei der Hamburg Commercial Bank. „Mittels Kreditvergabe und Kapitalanlagen können sie die Akteur:innen bewegen, ihre Anstrengungen vor allem in Umwelt- und sozialen Belangen zu vertiefen“, sagt Klinger. Doch zugleich ist der Weg bis zur deutschen und europäischen Klimaneutralität im Jahr 2045 beziehungsweise 2050 noch lang. Das vergangene Jahr war erneut kein Meilenstein in diese Richtung: Deutsche Investments in erneuerbare Energien lagen 2020 bei knapp elf Milliarden Euro. 2010 waren es noch knapp 28 Milliarden Euro gewesen.

„Demgegenüber steht eindeutig der Wille der Finanzinstitute – Banken, Versicherer und Pensionskassen – den Weg zur Klimaneutralität mitzugehen“, sagt Klinger. Sie stützt sich dabei auf eine aktuelle Umfrage von Zielke Research Consult im Auftrag der Hamburg Commercial Bank unter 32 Versicherungen, Pensionskassen und Vermögenverwaltungen, die insgesamt mehr als eine Billion Euro an Assets verwalten. „Gerade mit dem weiter zunehmenden Interesse von Kapitalsammelstellen wie Versicherungen und Pensionskassen an Anlagen im Infrastrukturbereich –sei es auf der Eigen- oder Fremdkapitalseite- steigt auch die Bedeutung von Nachhaltigkeitskriterien und dem Berichtswesen darüber“, ergänzt Tilo Kraus, Leiter Global Sales und Syndicate der HCOB.

„Fremdfinanzierte ESG-Projekte sind ein knappes Gut“

Die befragten Institute setzen verstärkt auf ESG-konforme Anlagen. Das Kürzel steht für Anlagen, die Umweltaspekte („Environmental“), Sozialaspekte („Social“) und die Grundlagen guter Unternehmensführung und einer nachhaltigen Unternehmensstrategie („Governance“) gleichermaßen beachten. Die zunehmende Regulatorik sowie die steigende Sensibilität der Kundschaft drängen Banken und andere Finanzmarkt-Player verstärkt in diese Richtung.

„Doch gerade fremdfinanzierbare ESG-Projekte sind ein knappes Gut“, sagt Thomas Miller, Executive Director Research bei der Hamburg Commercial Bank und einer der Autor:innen der auf der Umfrage basierenden Studie „Fremdkapital: Baustein der Nachhaltigkeit“.

„Mit der Studie möchten wir Impulse geben, wie wir als Finanzinstitute unsere Portfolien noch zukunftsfähiger machen können. Das grüne Buch der HCOB beläuft sich aktuell auf 4,5 Milliarden Euro, das sind rund 20 Prozent unseres gesamten Kreditbuchs“, sagt Inka Klinger.

Welche nachhaltigen FK-Instrumente spielen bei Ihren zukünftigen Investitionsentscheidungen eine Rolle?

Nachhaltige FK-Instrumente | Quelle: Zielke research consult

Quelle: Zielke research consult

Mit Kapital geht vor allem eines einher: viel Verantwortung. Finanzinstitute müssen die Aktivitäten und die ESG-Strategie ihrer Kund:innen und deren Investitionen kennen und beeinflussen. „Durch die Messung von Nachhaltigkeitseffekten und die Berücksichtigung in Investitionsentscheidungen und Kreditvergaben werden Finanzinstitute damit zum Multiplikator für die deutsche und europäische Nachhaltigkeitsstrategie“, sagt Kraus.

Seit 1. Oktober 2020 sind Nachhaltigkeitsaspekte fest in die Kreditstandards der Hamburg Commercial Bank integriert und als klare „Guiding Principles“ für das eigene Handeln des Geldhauses vereinbart. Konkret könnte die Bewertung von ESG-Kriterien beispielsweise bei einer Immobilienfinanzierung folgendermaßen aussehen: Die Bank prüft im Rahmen der Umweltaspekte den Energieverbrauch des Projekts, bewertet die Baumaterialen sowie die Emissionen während der Bauphase und des Betriebs. Bei der sozialen Dimension achten die Fachleute der HCOB verstärkt auf die Einhaltung von Arbeitsschutz- und Sozialstandards bei den von ihnen finanzierten Projekten. Bei der Unternehmensführung geht es schließlich darum, dass alle gesetzlichen Regeln eingehalten werden und die Geschäftspartner:innen idealerweise einen eigenen „Code of Conduct“ haben.

In welche Assets sind Sie investiert und werden Sie investieren?

Investitionen in erneuerbare Energien, eine grafische Aufbereitung

Quelle: Zielke research consult

Die Studie „Fremdkapital: Baustein der Nachhaltigkeit“ zeigt eine aktuell besonders hohe Investitionsbereitschaft für erneuerbare Energien. Dabei spielen Anlagen in Solar- und Windparks in Westeuropa und Nordamerika eine besondere Rolle. Zukünftig wollen viele befragte Unternehmen auch im Bereich Breitband aktiv werden und auf grüne Anleihen setzen. Bevorzugt werden Investitionen in „proofen technologies“. Um Pioniertechniken wie Wasserstoff etwa machen die interviewten Teilnehmer:innen derzeit noch einen Bogen. Die HCOB arbeitet aber schon heute daran, solche Projekte in naher Zukunft für Fremdkapital-Investor:innen finanzierbar zu machen.

In welche der folgenden Technologien können Sie sich vorstellen, in den nächsten Jahren zu investieren?

Technologie, eine grafische Aufbereitung

Quelle: Zielke research consult

Inka Klinger

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