IBOR-Reform

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September 2021 – Sie gilt als eine der größten Veränderungen im Finanzmarkt seit der Einführung des Euro vor knapp 20 Jahren. Erfahren Sie hier, was hinter der Reform steckt, wie sich die Hamburg Commercial Bank auf den großen Wandel vorbereitet und was das konkret für die Kund:innen der Bank bedeutet.

Hintergrund

Ende dieses Jahres heißt es: Abschied nehmen. Von vertrauten Größen wie dem EONIA und weiteren sogenannten IBOR-Referenzzinssätzen. IBOR ist das Kürzel für „Interbank Offered Rate“ – also jenen Zinsen, zu denen sich Banken auf dem Interbankenmarkt untereinander Geld leihen. Sie dienen zugleich als Referenzwerte für eine Vielzahl zinsgebundener Finanzprodukte – von variablen Krediten und Anleihen über Hypotheken bis hin zu börsengehandelten Derivaten.

Die Laufzeiten der IBORs reichen von Übernacht (overnight) bis hin zu zwölf Monaten. Die Referenzzinssätze gibt es zudem in vielen verschiedenen Währungen. Welch große Rolle die IBORs aktuell noch spielen, zeigt ein Blick auf das Marktvolumen aller Titel, die sich auf sie beziehen: Es beläuft sich auf rund 400 Billionen US-Dollar. Davon entfällt der mit Abstand größte Anteil auf die Referenzrate USD-LIBOR. Weitere wichtige Referenzzinssätze sind der britische GBP-LIBOR, der Schweizer CHF-LIBOR, der europäische EURIBOR bzw. EONIA und der japanische JPY-LIBOR.

Grafik am Computer

IBORs stehen in der Kritik. Die mangelnde Transparenz der panel-basierten Berechnung hat IBORs anfällig gemacht für Manipulationen und das Vertrauen im Interbankenmarkt beeinträchtigt.

Vor diesem Hintergrund wurde – anlässlich des LIBOR-Skandals in 2011 – die Reform der IBORs durch die G20 angestoßen. Sie besteht aus mehreren gleichgerichteten Initiativen von supranationalen Gremien (G20, FSB), Zentralbanken und Vertretern des Bankensektors. Ziel der Reform ist, transparente sowie resiliente Referenzzinssätze zu entwickeln und zu etablieren, um das Vertrauen der Marktakteure in die Referenzzinsätze sicherzustellen. Mit der seit 2018 gültigen EU-Benchmark-Verordnung (EU-BMR), wurde das Ende der IBORs in der Europäischen Union gesetzlich verankert. Sie sollen ersetzt werden durch Risiko-Freie Referenzzinssätze (RFRs).

Die IBOR-Reform bringt grundlegende Veränderungen für Märkte und Marktteilnehmer mit sich – und damit auch für die Hamburg Commercial Bank, ihre Marktpartner und ihre Kund:innen.

IBOR Reform
Ibor Reform 02
IBOR Zeitstrahl

Methodische Veränderungen der Zinsberechnung

´Der fundamentale Unterschied zwischen den bisherigen IBORs und den neuen RFRs: IBORs sind Terminzinssätze. Sie werden durch Panel-Banken auf Basis von Expertenschätzungen bezüglich der zukünftigen Zinsentwicklung des Interbankenmarkts für verschiedene Laufzeiten bestimmt.

Die neuen RFRs dagegen sind Tageszinssätze. Sie werden auf Basis realer Overnight-Transaktionen bestimmt. Zinszahlungen werden daher nicht mehr zu Beginn, sondern erst rückwirkend am Ende einer Zinsperiode fixiert. Um RFRs auch für Zeitperioden von länger als einem Tag verwenden zu können, wurden neue Berechnungsmethoden entwickelt.

EZB

Was verändert sich mit Risk-Free-Rates?

Veränderung Risk Free Rates

IBOR-Transition

Die Umstellung zinsgebundener Finanzprodukte auf RFRs erfordert umfassende Anpassungen der zugrunde liegenden Infrastruktur. Unter anderem müssen Prozesse, Methoden und Modelle angepasst werden, um der veränderten Methodik der RFRs Rechnung zu tragen. Daneben gilt es, die bestehenden IBOR-basierten Kontrakte auf RFRs umzustellen.

Informationen für HCOB-Kunden

Kunden Informationen

Eine Dekade nach dem LIBOR-Skandal und nach Jahren intensiver Vorbereitungen werden IBORs sukzessive durch risikofreie Referenzzinssätze (RFRs) ersetzt.

Die global wichtigsten RFRs – SOFR, SONIA, €STR, SARON und TONA – sind inzwischen verfügbar. Zudem wurde der EURIBOR gemäß den Anforderungen der EU-BMR reformiert. Dessen ungeachtet quotieren Bestände zinsgebundener Finanzprodukte zum Teil noch auf den alten IBORs. Gleichzeitig werden nach wie vor IBOR-basierte Geschäfte abgeschlossen. Mithin befinden sich Finanzmärkte gegenwärtig in einer Übergangsphase, in der sowohl die alten IBORs als auch die neuen RFRs gehandelt werden. Gleichwohl laufen die Quotierungen der IBORs sukzessive aus. GBP-/CHF-/JPY-/EUR-LIBORs werden per Ende 2021 eingestellt. Derweil gilt für den Hauptlaufzeiten des USD-LIBORs – O/N, 1-Monat, 3-Monate, 6-Monate und 12-Monate – eine verlängerte Frist bis Ende Juni 2023.

IBOR-Reform

Die IBORs werden sukzessive bis Mitte 2023 abgelöst durch RFRs

IBOR Reform

HCOB ist gut auf die neuen RFRs vorbereitet

Die Hamburg Commercial Bank ist gut vorbereitet, ihren Kund:innen einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen. In bankübergreifenden IBOR-Arbeitsgruppen arbeiten die IBOR-Expert:innen der HCOB aktiv an der Umstellung auf die neuen RFRs und hat relevante Marktentwicklungen im Blick. Dadurch können wir effizient mit Herausforderungen der Umstellung umgehen und flexibel auf aktuelle Entwicklungen reagieren.

In Übereinstimmung mit Empfehlungen einschlägiger IBOR-Arbeitsgruppen wird HCOB das Bestandsgeschäft rechtzeitig vor dem Wegfall der Quotierungen Schritt für Schritt von LIBORs auf RFRs überführen. Dabei gegebenenfalls erforderliche Vertragsänderungen werden eng mit den betroffenen Kund:innen abgestimmt.

FAQ

Was sind IBORs?

Was sind IBORs?

IBORs (Interbank Offered Rates) sind durchschnittliche Zinssätze, zu denen Banken sich untereinander Geld leihen. Die Laufzeiten der zugrunde liegenden Kredite reichen von Übernacht bis zu zwölf Monaten. IBORs fungieren als Referenzzinssätze für zinsgebundene Finanzprodukte, zum Beispiel Derivate, variable Kredite oder Anleihen. Als solche sind sie für den Finanzmarkt von zentraler Bedeutung. Weltweit haben IBOR-basierte Finanzprodukte einen Wert von rund 400 Billionen US-Dollar. IBORs sind für verschiedene Währungen verfügbar. Zu den wichtigsten IBORs gehören USD-LIBOR, EURIBOR, GBP-LIBOR, CHF-LIBOR, EUR-LIBOR, EONIA und TIBOR/JPY-LIBOR.

Was ist die IBOR-Reform?

Die IBOR-Reform bezeichnet die Umstellung der Referenzraten von IBORs auf Risk Free Rates (RFR) beziehungsweise Alternative Reference Rates (ARR).

Was ist der Stand der IBOR-Reform?

Wir befinden uns in einer Übergangsphase, in der sowohl die alten IBORs als auch die neuen RFRs gehandelt werden. Die global wichtigsten RFRs (SOFR, SONIA, €STR, SARON und TONA) sind eingeführt worden. Zudem wurde der EURIBOR gemäß den Anforderungen der EU-BMR reformiert. Gleichzeitig quotieren Bestände zinsgebundener Finanzprodukte zum Teil auf den alten IBORs. Darüber hinaus gibt es partiell Neugeschäft auf Basis alter IBORs. Gleichwohl laufen die Quotierungen der IBORs sukzessive aus. Bis Mitte 2023 wird die Einstellung der Quotierungen sämtlicher IBORs erwartet. Daher empfehlen IBOR-Arbeitsgruppen, zeitnah Neu- und Bestandsgeschäft auf RFRs umzustellen.

Was passiert mit dem EURIBOR?

Der EURIBOR wurde reformiert – seine neue Berechnungsmethodik basiert zum Teil auch auf realen Transaktionen. Er erfüllt die Anforderungen der EU-BMR und kann somit angewendet werden. Ob der EURIBOR dauerhaft bestehen bleibt, ist nicht geklärt.

Kontakt:

Die Hamburg Commercial Bank wird Sie über die weitere Entwicklung der IBOR-Reform auf dem Laufenden halten.

Mit zwischenzeitlich auftretenden Fragen können Sie sich jederzeit gern über benchmark-reform@hcob-bank.com an uns wenden.

Weiterführende Informationen:

Detaillierte Informationen zur IBOR-Reform finden Sie zusätzlich auf den Webseiten der nationalen IBOR-Arbeitsgruppen und Industrieorganisationen: