Corona: Digitalisierungstreiber für Banken

März 2021 – Die Corona-Pandemie verschärft den Handlungsdruck auf etablierte Banken, sich neu zu erfinden und vor allem digital neu aufzustellen. Die Hamburg Commercial Bank nutzt die sich daraus bietenden Chancen beherzt. Sie hat bereits in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie „Change“ beherrscht.

Zwei Frauen diskutieren in einem Büro

Vor Corona war das Thema „Disruption“ häufig eine wohlfeile Vokabel für kluge Forengespräche. Mit der Pandemie, deren Ende längst noch nicht abzusehen ist, hat sich die Ausgangslage grundlegend verändert. Der Wandel ist da, er bleibt, und er verändert disruptiv und vor allem nachhaltig bis dato bestehende Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle. Und klar ist: Auch mit dem Vorhandensein von Impfstoffen und wirksamen Medikamenten gegen das Virus wird es keine Rückkehr zum Status quo ante gehen. Wirtschaft ist ein Fortschrittsprozess, keine Rückkehr zum Gewohnten.

Ebenso wie es wenig wahrscheinlich erscheint, dass sich nach überstandener Pandemie alle Menschen aus den Heimbüros auf verstopften Straßen und in überfüllten Pendlerzügen wieder auf den Weg in die innerstädtischen Bürotürme machen, so wenig werden Unternehmen nahtlos an ihr Schaffen vor der Krise anknüpfen können. Hybride Modelle werden die Zukunft bestimmen: Das gilt fürs Arbeiten im Büro und Daheim. Aber auch für künftige Geschäftsmodelle von Unternehmen und Banken.

Mann bedient sein Smartphone

„Die vergleichsweise geringe Größe und die Spezialisierung auf bestimmte Bereiche des Bankings und besonders aussichtsreiche Branchen wird für ein Haus wie unseres gerade bei Digitalisierungsthemen zum echten Wettbewerbsvorteil.“

Jan Sojka, Head of Digital Excellence Center der Hamburg Commercial Bank

Viel Tradition gleich viel Legacy

Letztere befinden sich bereits seit Jahren in einem fundamentalen Wandel: Neue Wettbewerber, die Fintechs, drängen auf den Markt und machen den Etablierten das Leben bei Synergien oft leichter, durch neuen Wettbewerb aber auch härter. Hinzu kommt eine immer verschärftere Regulatorik. Sinnbildliches Beispiel dafür sind die Informationen des Kunden, die ein Bankberaterbei einer Vermögensberatung zu dokumentieren hat: Früher genügte dafür ein DIN-A-4-Blatt; heute hat der Formularstapel gefühlt die Dicke eines Telefonbuchs aus den Achtzigerjahren.

Vor allem aber treibt die Branche die Digitalisierung voran. Oder die Digitalisierung die Branche. Je nach Sichtweise. Dieser Prozess hat mit und durch Corona nun eine neue Dynamik erfahren. Tradition verpflichtet. Doch mitunter ist sie auch ein Mühlstein beim Bemühen, sich neu zu erfinden. Deutschlands etablierte Banken wissen in der Regel um die Notwendigkeit, ihre IT-Strukturen zu modernisieren. Das Problem dabei: Anders als ein Fintech, das auf der grünen Wiese den Neustart ohne technische und rechtliche Altlasten wagen kann, verfügen deutsche Banken und Sparkassen nicht nur über wesentlich mehr Beschäftigte und mehr Kunden, sondern auch über eine in Jahrzehnten aufgebaute, x-dimensionale IT-Landschaft und damit viel Legacy.

Um jedoch die Fortschritte bei Digitalisierung abbilden und vor allem nutzen zu können, ist oft ein grundlegender Systemwechsel notwendig – ein aufwändiges und teures Unterfangen. Besonders für Banken, die anders als die HCOB, ein großes Filialnetz managen müssen. „Die vergleichsweise geringe Größe und die Spezialisierung auf bestimmte Bereiche des Bankings und besonders aussichtsreiche Branchen wird für ein Haus wie unseres gerade bei Digitalisierungsthemen zum echten Wettbewerbsvorteil“, sagt Sojka.

Foto Jan Sojka

Jan Sojka, Head of Digital Excellence Center der Hamburg Commercial Bank

Die Arbeitsumgebung der Beschäftigten in vielen Banken ist aktuell oft noch geprägt von Systemen und Abläufen aus einer vergangenen Geschäftswelt. „Der daraus resultierende Handlungsdruck ist mittlerweile flächendeckend in der Branche angekommen; bis zur Umsetzung ist allerdings noch ein Weg zu gehen“, meint Sojka.

Ein wichtiger Baustein dabei ist der Cloud-basierte Modern WorkplaceDer Nutzen einer Verlagerung meist manueller, fragmentierter und nicht auf das Kundenerlebnis optimierter Prozesse in die Cloud ist für die Digitalisierung von Banken unumstritten. 78 Prozent der Befragten beim „Cloud-Monitor 2020“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG bescheinigten dem Cloud-Computing einen „großen“ bis „eher großen“ Beitrag an der Digitalisierung. Am stärksten trägt Cloud-Computing danach zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT-Abteilung bei, sagen 70 Prozent der Befragten, 69 Prozent sehen einen großen Anteil bei der Digitalisierung interner Prozesse. Die nächste Stufe des Cloud-Computing ist laut KPMG-Umfrage bereits gezündet: Für viele Cloud-Nutzer besteht der nächste Entwicklungsschritt darin, ihre bestehenden IT-Lösungen im Rahmen eines „Multi-Cloud-Konzepts“ zusammenzuführen.

Doch bei aller Euphorie stellt das Einhalten der geltenden gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen nach Sojkas Worten einen nicht zu unterschätzenden Aufwandsposten bei der IT-Transformation dar. Es gehe nicht darum, alle am bisherigen Arbeitsplatz verfügbaren Anwendungen und Funktionen im Status quo in die Cloud zu portieren. Das wäre weder geeignet, anspruchsvolle IT-Transformationsziele zu erreichen, noch würde es die Möglichkeiten der Cloudnutzung ausschöpfen. Es gehe vielmehr darum, konsequent Komplexität zu reduzieren und den (Kunden-)Nutzen zu optimieren.

Modern Workplace als Schlüssel zur neuen Welt

Die Einführung des Modern Workplace auf Basis von Microsoft 365/Azure ist ein wichtiger Baustein der IT-Transformation der HCOB. Hier wird zusätzlich zu cloudbasierten Elementen auf vorhandenen Server-basierten Anwendungen (On Premises) befindliche Legacy virtualisiert zur Verfügung gestellt. Aber auch die Transformation klassischer Infrastruktur wird durch den Modern Workplace vorangetrieben, zum Beispiel der Ersatz von Festnetztelefonen durch computergestützte Telefonie (Softphone) sowie der Ersatz einer Single-SignOn-Karte durch eine Multifaktor-Authentifizierung.

Beitrag im "Bankingclub"