Neuer Aufwind erwartet: HCOB-Studie zum Potenzial von Corporate PPAs

Februar 2021 – Das wachsende Geschäft mit Power Purchase Agreements (PPAs) hat durch die Corona-Krise einen Dämpfer erhalten. Langfristig bleiben die Aussichten für dieses besondere Energiesegment, bei dem einzelne Unternehmen direkte Lieferverträge mit Wind- oder Solarparks abschließen, aber aussichtsreich. In ihrem jetzt veröffentlichten Studien- beleuchtet die Hamburg Commercial Bank die Zukunft der PPAs.

Fässer auf einer Palette

Der Blick auf die nackten Zahlen ist erst einmal ernüchternd. 2020 wurden europaweit Power Purchase Agreements (PPAs) im Gesamtvolumen von rund 1,8 Gigawatt unterzeichnet – dabei erstmals mit der Solarkraft als stärkster grüner Kraftquelle. Im Vorjahr waren es noch 2,5 Gigawatt gewesen, 2018 immerhin 2,3 Gigawatt. Doch der Rückgang 2020 markiert keine dauerhafte Trendumkehr auf dem recht jungen und speziellen Energiesegment der PPAs, wie das Studien-Update „Corporate PPA. Green electricity for corporate consumers” der HCOB zeigt.

Auswirkungen durch COVID-19-Pandemie spürbar

Die Covid-19-Pandemie hat den PPA-Markt nicht nur auf der Angebotsseite getroffen, wo viele Projekte in die Zukunft verlagert wurden und werden, weil Investoren erst einmal in sichere Deckung gehen. „Auch auf der Nachfrageseite hat die Pandemie das PPA-Geschäft deutlich beeinflusst. Denn die Elektrizitätspreise in Europa sind stark gesunken, und die Abnehmer agieren aufgrund der dynamischen Entwicklung während der Pandemie zurückhaltender“, sagt Inka Klinger, Global Head of Infrastructure bei der HCOB.

Windrad auf einem Rapsfeld

Gleichwohl sehen die Analysten der Bank langfristig gute Aussichten für die Stromabnahmevereinbarungen. Der Trend zur Nachhaltigkeit und damit auch zu grünem Strom ist ungebrochen: Nicht nur Unternehmen und ihre Mitarbeiter*innen, auch die Kunden hinterfragen den CO2-Fußabdruck immer kritischer und setzen verstärkt auf erneuerbare Energiequellen. Da jedoch klassische Versorger mit ihrem angebotenen Strom-Mix diesen Wünschen selten nachkommen können, sind individuelle Stromabnahmevereinbarungen als Bindeglied zwischen der grünen Stromquelle und dem Abnehmer eine innovative Lösung.

Das Neue dabei: Statt den grünen Strom – wie bisher bereits möglich – „anonym“ über den Markt zu kaufen, gibt es bei PPAs eine direkte Beziehung zwischen Strom-Produzenten und seinem Abnehmer. Möglich machen das verschiedene Formen von Liefer- und Abnahmeverträgen – von direkten Kontrakten über Durchleitungsverträge bis hin zu virtuellen Stromabnahmeverträgen.

„Nachhaltigkeit heißt für uns auch Zukunftsfähigkeit, daher stehen wir unseren Kunden in diesem Zukunftssektor gern mit Know-how und Expertise zur Seite"

Dr. Nicolas Blanchard, Chief Clients und Products Officer der Hamburg Commercial Bank

„Wegen der deutlich rückläufigen staatlichen Subventionen wird für die Stromproduzenten eine Ertragsabsicherung durch langfristige Stromkaufvereinbarungen immer wichtiger. Die Herausforderung besteht nun darin, für die individuellen Vorhaben, mit ihren diversen Laufzeiten und den unterschiedlichen Rahmenbedingungen, den exakt passenden PPA-Partner zu finden“, sagt Klinger.

Genau hier kommt die Hamburg Commercial Bank ins Spiel. „Wir unterstützen unsere Kunden, indem wir sie mit Projektentwicklern, institutionellen Investoren und Bankenpartnern zusammenbringen. Bereits seit Jahrzehnten sind wir in der Projektfinanzierung für nachhaltige Energieerzeugung aktiv und daher bestens in der Branche vernetzt“, sagt Dr. Nicolas Blanchard, Chief Clients and Products Officer der Hamburg Commercial Bank. PPAs bleiben aus seiner Sicht ein wichtiger Wachstumsmarkt, „denn sie ermöglichen es den Unternehmen, ihren Energiebedarf immer stärker über erneuerbare Energien zu decken. Nachhaltigkeit heißt für uns auch Zukunftsfähigkeit, daher stehen wir unseren Kunden in diesem Zukunftssektor gern mit Know-how und Expertise zur Seite“.

Farikgebäude

Überarbeitete EU-Verordnung erleichtert Vertrieb und bringt weiteres Potenzial

Schweden, Norwegen, Großbritannien, Spanien und Finnland dominieren derzeit noch den Markt für PPAs in Europa. In Deutschland steckt das Business noch in den Kinderschuhen. Aber der Trend ist der Studie zufolge eindeutig: „Die Kosten für die Stromgewinnung aus Solar- oder Windkraftprojekten in Deutschland sinken weiter. Und mit der zugleich weiterwachsenden Nachfrage von Unternehmen nach grünem Strom ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich PPAs durchgesetzt haben.“

Für weiteren Auftrieb auch in Deutschland dürfte die Erneuerbare-Energie-Richtlinie „RED II“ der Europäischen Union sorgen. Diese gibt alternativen Energieträgern weiteren Vortrieb, um die ambitionierten Klimaziele in Europa bis zur Mitte dieses Jahrhunderts in die Tat umsetzen zu können. „RED II sollte ab diesem Jahr die letzten vorhandenen Hürden bei der direkten Vermarktung von grüner Energie mithilfe von PPAs aus dem Weg räumen“, meint Expertin Klinger.