Shipping 2021: Gute Gründe für weiteren Optimismus

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März 2021 – Die weltweite Schifffahrt hat ein außergewöhnliches Jahr 2020 hinter sich. Während die Weltwirtschaft unter der Corona-Krise litt, machten die Reeder eher gute Geschäfte. Für 2021 bleiben die Aussichten – auch dank der schnellen Konjunkturerholung in China – im Prinzip positiv. Das zeigt der jetzt veröffentliche „Shipping Outlook 2021“ der Hamburg Commercial Bank.

„2020 war für die Weltwirtschaft genauso wie für die Shipping-Industrie extrem ungewöhnlich und herausfordernd. Mit nur einem großen Unterschied: Die Reeder blicken auf ein gutes Jahr zurück und dürfen auch für 2021 optimistisch sein“, sagt Dr. Nicolas Blanchard, Chief Clients and Products Officer bei der Hamburg Commercial Bank (HCOB). Gleichwohl mahnen die Autoren der Branchenstudie zur Vorsicht: „Wir blicken zuversichtlich nach vorn. Aber nach den Erfahrungen aus dem Jahr 2020 empfehlen wir trotzdem die Maxime: expect the unexpected“.

Schfif Grafik auf einer Welle

Frachtraten bewegen sich auf durchschnittlich sehr solidem Niveau

Jan-Philipp Rohr, Global Head of Shipping bei der Hamburg Commercial Bank, begründet seine positive Einschätzung der Lage in der Schifffahrtsindustrie unter anderem mit den vielen internationalen Verflechtungen: „Auch in Krisenzeiten kommt der globale Handel nicht zum Erliegen. Gleichzeitig hat sich die zuletzt zurückhaltende Bestellstrategie der Reeder ausgezahlt – die Raten werden nicht wie in der Vergangenheit durch ein Überangebot an Kapazitäten gedrückt.“ Die Frachtraten in den drei großen Bereichen Container, Massengutfrachter – auch Bulker genannt – und Tanker bewegten sich 2020, so Jan-Philipp Rohr „durchschnittlich auf sehr solidem Niveau“. Er meint, die Zeiten des Überangebots an Schiffen und damit verfallender Frachtraten seien vorerst beendet, denn derzeit sei die Zahl der Neubestellungen vergleichsweise gering.

Vor allem ein Land hat entscheidend zur robusten Verfassung des weltweiten Schifffahrtsmarkts beigetragen: China. Die fernöstliche Supermacht hat sich von den konjunkturellen Folgen der Corona-Pandemie schnell erholt und durchläuft eine bis dato V-förmige Erholung der eigenen Wirtschaft. Das liegt unter anderem daran, dass Verbraucher aus den USA und Europa derzeit massiv online Konsumartikel aus China bestellen. Hinzu kommt ein erstarkter asiatischer Handel zwischen China und den übrigen Nationen der Region.

Hafen

Privater Konsum treibt die Containerschifffahrt

Der derzeitige Boom bei den Containerfrachtraten bedeute jedoch nicht, „dass wir von einer ebensolchen Hausse der Weltwirtschaft“ stünden, meint der HCOB-Chefvolkswirt Dr. Cyrus de la Rubia. Verantwortlich für den Aufschwung am Containermarkt seien auch Sonderfaktoren. Dazu zählten vor allem Nachholeffekte, die durch die Lockdowns verursacht wurden. „Außerdem haben die Menschen in den vergangenen Monaten den Verzicht auf Fernreisen gern mit dem Kauf neuer Möbel oder anderer langlebiger Konsumgüter kompensiert, die auf dem Seeweg transportiert werden“, sagt Cyrus de la Rubia.

Vorsichtig optimistisch sind die Schifffahrtsexperten der Hamburg Commercial Bank auch mit Blick auf die Massengutfrachter. Die Entwicklung dieses Markts sei indes stark mit der chinesischen Nachfrage nach Eisenerz und Kohle verknüpft. Für den Tankermarkt sind die Autoren verhalten zuversichtlich: „Die Charterraten für Tanker werden zwar nicht mehr die historischen Höchststände von 2020 erreichen, aber in diesem Jahr von tendenziell steigenden Ölpreisen profitieren.“

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