Schiffsverkäufe: Attraktive Nische für wahre Spezialisten

Januar 2021 – Die weltweite Containerschifffahrt zieht wieder kräftig an. Und damit auch die Nachfrage nach gebrauchten Handelsschiffen. Doch der Verkauf eines Großfrachters fordert Spezialwissen, das nicht viele haben – die Hamburg Commercial Bank schon.

Hamburg, New York, Liberia, Singapur und die Marshallinseln in Ozeanien. Fünf Orte der Welt, fünf Zeitzonen. Dort jeweils versammelte Geschäftsleute zur selben Zeit an einen virtuellen Konferenztisch zu bekommen, ist eine riesige Herausforderung. Doch für Martin Dohrmann, Senior Experte Global Trade Finance bei der Hamburg Commercial Bank (HCOB), gehört diese logistische Hürde zum besonderen Reiz seines Berufs. Er vermittelt seit Jahren zwischen den Käufern und Verkäufern von Handelsschiffen – von Öltankern über Massengutfrachter und Kühlschiffe bis hin zu den „Kulis der Globalisierung“, wie sie der „Spiegel“ einst nannte: den Containerschiffen. Gerade in jüngster Zeit kann sich Dohrmann über mangelnde Aufträge nicht beklagen: „Die Nachfrage besonders nach Containerschiffen zieht wieder an.“ Im Pandemie-Jahr 2020 klingt das bemerkenswert – ist aber der Vorgriff auf eine sich wieder erholende Weltkonjunktur. Vor allem China und andere asiatische Staaten, die derzeit kaum unter den Folgen weiterer Corona-Wellen leiden, verzeichnen einen starken Export mit entsprechender Nachfrage nach freien Schiffskapazitäten.

Flaggen im Wind

Koordination der geographischen Distanzen herausfordernd

Kommt es zum Verkauf eines Schiffes, residieren die Beteiligten selten in einem Land. So mag es eben vorkommen, dass das betreffende Schiff aktuell in Singapur ankert und von einer Gesellschaft in New York gekauft wird. Noch fährt das Schiff unter der Flagge Liberias, soll aber nach dem Deal auf den Marshallinseln beheimatet sein. Und die Experten dafür, die das Zustandekommen komplexer Geschäfte auch über große geographische Distanzen möglich machen, sitzen in Hamburg.

„Seit dem Markteinbruch bei Schiffen im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/2009 haben sich viele Wettbewerber aus dem Markt für Schiffsverkäufe verabschiedet“, sagt Andreas Beckmann, Team Head Trade Finance bei der Hamburg Commercial Bank. Die HCOB ist dem Geschäft dagegen treu geblieben, auch wenn sie ihr gesamtes Geschäft im Schiffsbereich reduziert hat. Das Know-how in Sachen Schiffsverkäufe ist aber ungebrochen da.

„Es geht – auch bei Gebrauchtschiffen – noch immer um stattliche Summen. Doch Käufer und Verkäufer begegnen sich oftmals nicht persönlich, geschweige denn, dass sie einander vorher kennen“, sagt Beckmann. „Unsere Aufgabe ist es daher, in dieses Vakuum hinein für Vertrauen, klare Abläufe und einen zügigen Verkauf zu sorgen. Einer der Beteiligten ist dabei meist bereits unser Kunde. Im Regelfall beauftragt uns ein Shipping-Kunde mit der bankseitigen Begleitung eines Schiffsverkaufs von Vertragsabschluss bis zum Closing. Bevor der spätere Käufer einen Fuß an Bord setzen darf, um das Schiff zu besichtigen, findet der Abschluss des Kaufvertrags statt und danach ist die Eröffnung eines „joint account“ bei der Hamburg Commercial Bank nötig: Das ist ein Gemeinschaftskonto von Verkäufer und Käufer, auf das in der Regel zehn Prozent des Verkehrswerts als Sicherheitsleistung eingezahlt werden. Die restlichen 90 Prozent werden dann bis einen Tag vor Abschluss des Deals treuhänderisch überwiesen.

Schiff verlässt in der Abenddämmerung einen Hafen

HCOB als Mittler zwischen den Kulturkreisen

Das Schiffsgeschäft ist so stark globalisiert und so fragmentiert, dass es ohne Mittler und Makler in der Mitte nicht funktioniert. Das Expertenteam der Hamburg Commercial Bank arbeitet beim „dokumentären Closing“ der Schiffsverkäufe, bei dem alle relevanten Dokumente der beteiligten Firmen und handelnden Personen hinsichtlich Legalität und Existenz geprüft werden, mit der Genauigkeit von Notaren, aber gleichzeitig der Sprache der internationalen Diplomatie. Beckmann: „Wir sind in vielen Kulturkreisen gleichzeitig unterwegs und müssen dabei nicht selten zwischen verschiedenen kaufmännischen Temperamenten vermitteln, damit es zum Geschäft kommt.“

Doch selbst beim feinfühligsten Vorgehen kommt es ab und an zu Situationen, die auch den erfahrenen Deal-Makern der Hamburg Commercial Bank neu sind. Marktkenner Dohrmann berichtet von einem Fall, bei dem ein akkreditierter Taucher vor dem Verkauf eines Schiffs dieses nochmals auf Wunsch des Käufers unter Wasser auf Schäden untersuchen sollte. Doch der Tauchgang im Hafen einer afrikanischen Stadt scheiterte. Der Taucher hatte Haie ausgemacht und traute sich nicht mehr unter den Kiel. Der Deal drohte zu scheitern. Kurzerhand wurde das Schiff in einen anderen Hafen verlegt. Mit einem Tag Verzug kam es dann zum Abschluss.

Vertrag wird unterschrieben