Gedanken zum Weltfrauentag

März 2021 – Die Hamburg Commercial Bank nimmt das Thema Gleichberechtigung ernst. Und das nicht nur aus Anlass des institutionalisierten Weltfrauentages am 8. März. Diversity Management ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Leitlinien und des täglichen Handelns in der Hamburg Commercial Bank.

4 Menschen bilden mit ihren Armen einen Stern

Der Fortschritt ist mitunter eine Schnecke. 1911 setzten sozialistische Ikoninnen der weltweiten Frauenbewegung den 8. März als „ihren Tag“ durch. Seit 2019 ist er übrigens in Berlin gesetzlicher Feiertag. Im Januar 1919 durften Frauen bei der Wahl zur verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung nach Ende des Ersten Weltkrieges erstmals wählen und gewählt werden. Doch es dauerte weitere vier Jahrzehnte, exakt bis zum Jahr 1958, bis der Gesetzgeber die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern beschloss – und Frauen erstmals eigene Konten eröffnen und die Vermögensbildung in die eigenen Hände nehmen durften.

Der „Weltfrauentag“ am 8. März sollte heute eigentlich eine Selbstverständlichkeit markieren. Nämlich die Tatsache, dass Frauen im Privat-, aber gerade auch Berufsleben alle Rechte und Chancen haben, die auch Männern zustehen. Tatsächlich hat sich gerade in den vergangenen Jahren eine Menge getan. Doch ein gutes Stück des Weges bleibt zu gehen, wie der Blick auf die nach wie vor geringere Präsenz von Frauen in Führungspositionen oder der „Gender-Gap“ – die Einkommensdifferenz zwischen Frauen und Männern bei gleicher Tätigkeit – in diversen Studien immer wieder zeigen.

Frau zeigt Kompass in die Kamera

Diversity Management hat eine lange Tradition bei der HCOB

Katrin Waechter, die neue Diversity-Managerin bei der Hamburg Commercial Bank, freut sich über das bisher Erreichte sowie die bestehende Sensibilität und das Engagement der Bank beim Thema Chancengerechtigkeit und Gleichberechtigung. Seit knapp 20 Jahren gibt es bei der HCOB und ihren Vorgängerinstitutionen bereits eine hauptberufliche Gleichstellungsbeauftragte.

Doch wie sehen das die Mitarbeiterinnen der Bank selbst, welche Gedanken ruft der Weltfrauentag in ihnen hervor? Wir haben fünf von ihnen stellvertretend für die große Zahl talentierter und engagierter Mitarbeiterinnen bei der Bank befragt:

„Ich hatte das Glück, erst relativ spät Menschen zu begegnen, die nach Geschlecht, Glaubensrichtung, Herkunft oder Hautfarbe unterscheiden, was für mich völlig unvorstellbar war und ist.“

Maren Thiele, Produktmanagerin in Business Operations:

Zunächst war ich skeptisch, als ich um einen Beitrag gebeten wurde. Mit solchen institutionalisierten Tagen kann ich persönlich nur wenig anfangen. Leider ist es, unverständlicher Weise, scheinbar immer noch erforderlich, bestimmte Dinge regelmäßig in den Fokus zu rücken. Die ersten Worte, die mir spontan einfielen, waren ein Zitat, das mir meine Großmutter (Jahrgang 1896) in mein Poesiealbum schrieb, als ich acht oder neun Jahre alt war: „Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

Als Kind habe ich sicher nicht verstanden, was sie mir mit diesen Worten aus eigenem Erleben auf den Weg geben wollte. Meine Großmutter verlor nach kurzer Ehe ihren Mann am Ende des Ersten Weltkrieges. Allein gründete sie als Putzmachermeisterin ein Unternehmen und hatte zuletzt 20 Mitarbeiterinnen und mehrere Geschäfte. Wenn jemand wusste, wie wichtig es ist, an sich selbst zu glauben, dann diese energische und starke Frau.

Ich hatte das Glück, erst relativ spät Menschen zu begegnen, die nach Geschlecht, Glaubensrichtung, Herkunft oder Hautfarbe unterscheiden, was für mich völlig unvorstellbar war und ist. Da war aber der „Freigeist“ bei mir schon zu erwachsen, als dass irgendjemand meinen „Glauben an die eigene Kraft“ hätte noch nachhaltig ins Wanken bringen können.

„Traut Euch! Zeigt Euch! Und lernt, diejenigen Menschen zu erkennen, die Euch auf Eurem Weg unterstützen."

Rieka Meetz-Schawaller, Mitglied im Aufsichtsrat der Hamburg Commercial Bank:

„Ob mir ein Mann seinen Sitz in der Straßenbahn anbietet, ist mir egal. Er soll mir einen Sitz in seinem Aufsichtsrat anbieten“ (Käte Ahlmann, 1958).

Käte Ahlmann lebte von 1890 bis 1963 und leitete über Jahrzehnte den ältesten und größten Industriebetrieb Schleswig-Holsteins, die Carlshütte in Büdelsdorf bei Rendsburg. 1931 übernahm sie nach dem Tod ihres Ehemanns die Leitung der Eisengießerei und war Gesellschafterin der Ahlmann Carlshütte KG. Sie war Mitglied zahlreicher wirtschafts-, sozial- und kulturpolitischer Gremien und Gründungsmitglied und die erste Präsidentin des Verbands Deutscher Unternehmerinnen (VdU).

Die Aussage von Käte Ahlmann berührt mich, weil sie älter als 60 Jahre und immer noch aktuell ist. Immer noch werden Frauen auf subtile, vielleicht auf den ersten Blick sogar höflich erscheinende Art und Weise in ihre vermeintlichen Schranken verwiesen. Auch ich habe Chefs erlebt, die mich fast ausschließlich nicht zu fachlichen Themen, sondern zu Haus und Kindern angesprochen haben. Aber es gab zum Glück auch andere. Solche, die mich bestärkten, Führungskraft zu sein, mit kleinen Kindern und flexiblen Arbeitszeiten – vor 25 Jahren keine Selbstverständlichkeit und heute immer noch nicht. Zum Thema Herausforderungen in Eurem Arbeitsumfeld, auf welcher Position auch immer, ob als Spezialistin, Führungskraft oder Aufsichtsrätin: Traut Euch! Zeigt Euch! Und lernt, diejenigen Menschen zu erkennen, die Euch auf Eurem Weg unterstützen.

„:-)-: Du entscheidest!“

Kim-Olivia Lietzau, Mitarbeiterin im Board Office der Hamburg Commercial Bank:

Ich glaube, dass die innere Einstellung viel bewirken kann. Auch wenn ein Aufenthalt in der „Komfortzone“ zwischendurch mal gut tut, bin ich davon überzeugt, dass der Mensch mit seinen Aufgaben wächst. Mir ist es wichtig, mich weiterzuentwickeln und Verantwortung zu übernehmen. In Veränderungen suche ich die damit verbundenen Chancen für neue Aufgaben, Weiterentwicklung und die Zusammenarbeit mit neuen Kolleg*innen.

Aus der Arbeit in einem kollegialen Umfeld ziehe ich meine Energie, was mir in Zeiten der Corona-Pandemie nochmal deutlicher wird. Ich freue mich schon auf die Zeiten, wo wir wieder unbeschwert im Büro aufeinandertreffen. Und solange entscheide ich mich für :-)!

„If They Don’t Give You a Seat at the Table, Take a Folding Chair!“

Katharina Könches, Expertin im Digital Excellence Center der HCOB:

Shirley Chrisholm, die erste afroamerikanische Frau, die jemals in den US-Kongress gewählt wurde und später auch für die Nominierung zur Präsidentin kandidierte, bringt für mich mit diesem Zitat viele Dinge auf einmal auf den Punkt. Der Tisch, an dem kein Platz zu sein scheint, kann für viele Situationen insbesondere auch im beruflichen Kontext stehen. Auch ich kenne das Gefühl, zu einem exklusiven Club nicht dazuzugehören.

Was mich begeistert an dem Zitat, ist jedoch die Aufforderung „Take a Folding Chair“ Einerseits, weil es eine Ermutigung und Aufforderung ist, selbst aktiv zu werden und nicht darauf zu warten, dass einem der Platz aktiv angeboten wird. Andererseits finde ich das Symbol des Klappstuhls schön: „Werde kreativ und mache die Dinge anders als sonst, denn ein Klappstuhl passt immer noch gut und macht die Tafel im Ende deutlich vielseitiger!“

Bis die Tische unserer Gesellschaft völlig gleichverteilt beziehungsweise divers besetzt werden, wird es leider noch eine Weile dauern. Bis dahin wünsche ich Ihnen und mir den Mut, den eigenen Klappstuhl mitzubringen und den Platz an der Tafel zu beanspruchen – nur so können wir die Tische auf vielfältige Art bereichern.

Jung, blond, weiblich…und durchsetzungsSTARK!

Kathrin Lemke, Expertin für Loan Agency und Öffentliche Fördermittel:

Wer kennt sie nicht – Vorurteile! Ob im privaten oder beruflichen Umfeld, überall begegnen sie uns. Nicht immer sind es die gesprochenen Worte, die die Vorurteile deutlich machen. Oftmals reichen Blicke oder Reaktionen.

Vorurteile zeigen sich auch durch unbewusste Verhaltensweisen, die tief verankert sind aufgrund der eigenen Erfahrungen, des Umfelds und der Werte, die uns bereits im Kindesalter beigebracht wurden. Daher bin ich mir bewusst, dass es zum Teil unbewusste Handlungen sind, die keine böse Absicht darstellen. Sie spiegeln Erfahrungen wider. Wir sollten positiv und motiviert bleiben, anderen Menschen zu helfen, ebenfalls viele positive Erfahrungen zu sammeln. Einander schätzen und respektieren ist für mich ein wichtiges Gut im Zusammenleben und dies ungeachtet von Geschlecht, Alter, Herkunft oder anderen Eigenschaften. Es kommt auf die Vielfalt an!

In meinem Berufsleben habe ich einige Situationen erlebt, in denen ich Vorurteilen begegnet bin. Aussagen wie „das kleine Blondchen“ oder „Was will das junge Ding uns denn schon erzählen?“ sind nur einige Beispiele dafür, die durchaus verletzend wirken können. Aber wie verhält man sich dann? Ich habe mich dafür entschieden, nicht auf solche Äußerungen einzugehen und eine Debatte über Stereotypen, Geschlecht oder Ähnliches zu führen, sondern mit Inhalten und Leistung zu entgegnen. Erstaunlich wie oft die Unterhaltungen eine rasche Wendung nahmen und die Vorurteile wie weggefegt waren. Das Ergebnis: als gleichwertige Geschäftspartnerin wahrgenommen zu werden. Solche Situationen zeigen mir, dass ein Umdenken in der Gesellschaft bereits stattfindet. Die ersten Schritte sind getan, wenngleich dies noch nicht genug ist.

Gemeinsam können wir viel bewegen und uns gegenseitig neue Perspektiven aufzeigen, mit denen wir das Leben bereichern. Also lasst uns dieses Thema weiter gemeinsam bewegen. Es geht uns alle an – gleichermaßen, gleichberechtigt und vielfältig!