Die Zukunft des Leasings

November 2019 – Das Leasing-Geschäft hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland rekordverdächtig entwickelt. Doch zugleich wird das Business immer kleinteiliger – was den Aufwand für die Leasing-Gesellschaften und ihre Refinanzierer extrem erhöht. Eine innovative Lösung stellt da die Refinanzierung von Forderungen mit Hilfe digitaler Plattformen da. Mit diesem Thema beschäftigt sich auch ein Roundtable auf der 15. „STRUCTURED FINANCE“ am 27. November in Stuttgart.

Die Zahlen kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Nach zwei Rekordjahren wuchs das Neugeschäft der deutschen Leasing-Wirtschaft 2018 abermals um 4,5 Prozent. Für das noch laufende Jahr 2019 erwartet die Branche ein Wachstum zwischen drei bis vier Prozent. Die leichte Tempodrosselung im Vergleich zu 2018 erklärt Kai Ostermann, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL), mit den sich eintrübenden Konjunkturaussichten: „Leasing atmet mit der Konjunktur.“

„Leasing atmet mit der Konjunktur.“

Kai Ostermann, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL)

Doch das ist schlimmstenfalls ein Klagen auf hohem Niveau. Die Nachfrage nach Leasing ist seit Jahren hoch. Rund 54 Prozent der außenfinanzierten Investitionen wurden 2018 nach BDL-Angaben über Leasing realisiert. „Damit dominiert Leasing alle Finanzierungsformen“, sagt Verbandschef Ostermann. Die Leasing-Wirtschaft ist Bindeglied zwischen Real- und Finanzwirtschaft. Und ihr Augenmerk liegt dabei auf dem Mittelstand: Rund 90 Prozent der Verträge werden mit mittelständischen Kunden geschlossen.

Leasing-Güter: vom Dienstwagen bis zur Medizintechnik

Für 69,7 Milliarden Euro realisierten die Leasing-Gesellschaften in Deutschland im Jahr 2018 Investitionen für ihre Kunden in Immobilien, Maschinen, Fahrzeuge, IT-Equipment und andere Wirtschaftsgüter. Besonders gut entwickelte sich das Neugeschäft mit Maschinen. Überdurchschnittlich mit sieben Prozent wuchsen auch Nachrichten- und Signaltechnik sowie Medizintechnik.

Apropos Signal- oder Medizintechnik: Die Beispiele zeigen, dass sich das Universum der leasbaren Güter immens vergrößert hat. Wer heute beim Thema Leasing nur an die Dienstwagenflotte oder den Bürokopierer denkt, hat entscheidende Entwicklungen der vergangenen Jahre verschlafen. Nahezu jedes Wirtschaftsgut lässt sich heute leasen. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen waren im März 2019 Wirtschaftsgüter im Gesamtwert von 200 Milliarden Euro verleast.

Für die Leasing-Geber hat der boomende Trend zum Nicht-mehr-selbst-besitzen-müssen allerdings auch Schattenseiten. Das Leasing-Geschäft wird immer granularer und damit aufwendiger. Sogar so kleinteilig, dass die Leasing-Kunden etwa den Einsatz von Maschinen oder Spezialsoftware nicht mehr für einen festen Mietzeitraum, sondern nur noch nach Einsatz bezahlen – „pay-per-use“ wird das in der Fachsprache genannt.

Leasing boomt

Investitionen der deutschen Leasingwirtschaft in Milliarden Euro [Quellen/Source: ifo Institut für Wirtschaftsforschung; Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen]

Refinanzierung: Markt hat sich eher verengt als ausgeweitet

Hinzu kommen Herausforderungen auf der Refinanzierungsseite. „Der Markt für die Refinanzierung von Leasing-Gesellschaften in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren durch den Rückzug diverser Refinanzierer eher eingeengt als ausgeweitet. Besonders die Refinanzierung von kleinteiligen Forderungsportfolien stellt die Leasing-Gesellschaften und ihre Geldgeber vor große administrative Herausforderungen“, sagt Volker Kieschke. Er ist Head of Leasingfinance der Hamburg Commercial Bank.

Kieschke und sein Expertenteam suchten daher nach alternativen Lösungen zum klassischen Refinanzierungsgeschäft. Klare Vorgabe: Der neue Prozess muss für alle Beteiligten einfach, transparent, wesentlich digitaler und kapitalmarktnah ausgestaltet sein.

Luft nach oben in Sachen Einfachheit und Transparenz, das wurde dem Projektteam schnell klar, gibt es vor allem beim Vertrags- und Abwicklungsmanagement. Dieses hat sich, vor allem durch die zunehmende Granularität der Einzelforderungen, in den vergangenen Jahren für Leasing-Gesellschaften und Refinanzierer zu einem regelrechten bürokratischen Monstrum entwickelt.

Abhilfe schafft jetzt eine Plattform, die die Hamburg Commercial Bank zusammen mit ihren Partnern entwickelt hat: Der IT-Dienstleister QuantFS stellt dabei über seine Plattform sicher, dass alle Daten in digitaler Form eingelesen, verarbeitet und anhand definierter Kriterien des Vertragsparteien auf Stimmigkeit geprüft werden können. Ein manuelles Eingreifen ist nur noch in Ausnahmefällen nötig. „Damit wird der Aufwand auf allen Seiten erheblich reduziert und eine echte Alternative für die Refinanzierung von kleinteiligen Leasing-Forderungsportfolien geschaffen“, fasst Kieschke zusammen.

Besonders wichtig war und ist ihm, dass die Plattform kapitalmarktnah konzipiert ist. Daher wurde die seit Jahren etablierte „SmartFact Plattform“ des Refinanziers für Working-Capital-Lösungen in Luxemburg eingebunden. Die Refinanzierung der Forderungen erfolgt durch die Begebung von Schuldscheindarlehen. „Diese sind weitgehend standardisiert, sodass auch eine Einbindung weiter Investoren sehr einfach möglich ist“, erklärt Kieschke.

Autos dominieren (noch)

Anteile der Objektgruppen am Leasing-Neugeschäft 2018 [Quellen/Source: ifo Institut für Wirtschaftsforschung; Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen]

„Der Markt für die Refinanzierung von Leasing-Gesellschaften in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren eher eingeengt als ausgeweitet.

Volker Kieschke, Head of Leasingfinance der Hamburg Commercial Bank

Über die Vorzüge der neuartigen Plattform berichtet Volker Kieschke, Leasing-Experte der Hamburg Commercial Bank, in einem Roundtable im Rahmen der 15. „STRUCTURED FINANCE“ in Stuttgart. Termin: 27. November, 13:45 bis 14:45 Uhr. Mit auf dem Podium sitzen Tim Tiedemann ,Geschäftsführer der Leasing-Gesellschaft AGL Activ Service, und deren Kaufmännischer Leiter, Rene Gräf.